»Lord« Bendtner ist jetzt »Kaiser«

Läuft bei dir, Nicklas

Auf der Adels-Skala ist Nicklas Bendtner gleich um mehrere Stufen emporgeklettert – sportlich aber hält die Talfahrt des Dänen auch bei Rosenborg unvermindert an.

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Bereits wenige Minuten nach Nicklas Bendtners Ankunft in Trondheim war alles geklärt: »Lord« darf sich in der Kabine des norwegischen Meisters nur einer nennen – ein hoch dekorierter Stürmer, der sich diese Adelung durch sein nobles Auftreten auf und abseits des Rasens über Jahre redlich verdient hat. Die Rede ist natürlich von – Mushaga Bakenga. Der 24-jährige Stürmer mit kongolesischen Wurzeln, norwegischem Pass und einer Vorliebe für englische Tweed-Sakkos ist bei Rosenborg seit je her als »Lord« Bakenga bekannt. So soll es auch bleiben.

Bendtner, der Anfang März vom englischen Zweitligisten Nottingham Forest nach Trondheim kam, darf sich mit dem teaminternen Trost-Titel »Emperor« (zu deutsch: Kaiser) schmücken. »Das ist ja auch eine große Ehre«, lächelt der 29-Jährige tapfer. Bendtner weiß: Anders als im richtigen Adelsleben muss sich ein Fußballer seine Titel durch sportliche Meriten verdienen.

Viel zu lauffaul

Bendtners Leistungskurve aber weist seit 2010 stetig nach unten. Zuletzt führte sie ihn innerhalb von drei Jahren vom FC Arsenal über die Stationen Wolfsburg, Arbeitsamt und Nottingham ins entlegene Trondheim, wo er anfangs sogar als Riesen-Transfercoup galt. Mittlerweile hat sich die Euphorie gelegt.

Auf dem Rasen lief zuletzt wenig bis gar nichts bei Bendtner, der in seinen ersten sechs Ligapartien für Rosenborg immerhin drei Treffer fabriziert hatte. An den folgenden acht Spieltagen kam lediglich ein weiteres Tor hinzu. Zudem erwies sich der bullige 1,93-Meter-Riese als viel zu lauffaul für das von Trainer Kare Ingebritsen favorisierte 4-3-3-System, in dem die Rosenborg-Kicker bei jeder Gelegenheit ins Pressing gehen sollen.

Solskjaer stichelt

Der ehemalige Trondheim-Stürmer Alexander Söderlund (AS St. Etienne) lästert aus dem Exil: »Bendtner hat bisher noch gar nicht geliefert. Vor allem muss er viel mehr für die Mannschaft arbeiten und nicht nicht nur darauf schielen, dass er frei in der Box zum Abschluss kommt.« Laufen aber war noch nie Bendtners Ding.

Norwegens Fußball-Legende Ole-Gunnar Solskjaer, heute Trainer bei Molde FK, stichelte nach der unglücklichen 1:2-Niederlage seiner Mannschaft gegen Trondheim am 3. Spieltag: »Wir hatten heute einen guten Plan gegen Rosenborgs besten Angreifer – dessen Name ist zweifellos Pal André Helland.«

Am Rande des Gesetzes

Und Bendtner? Der traf an jenem Tag zwar ins Tor – allerdings ins eigene. »Das war ein richtiger Scheiß-Treffer«, analysierte der Däne. Niemand widersprach. Und irgendwie begann man auch bei Rosenborg zu realisieren: Dieser Typ wird uns auf Dauer nicht weiterbringen. Coach Ingebritsen, der anfangs sämtliche Schuld an Bendtners mäßigen Vorstellungen auf sich genommen hatte, stellte unlängst klar: »Nicklas muss viel mehr zeigen, aber dazu muss er auch mehr wollen.« Schließlich steht die Champions-League-Quali vor der Tür.

Vielleicht hätte Rosenborgs Sportdirektor Stig Inge Björnebye vor der Bendtner-Verpflichtung bei Asker Hedegaard Boye nachfragen sollen. Der Fußball-Kommentator der renommierten dänischen Zeitung Berlingske Tidende findet, sein prominenter Landsmann sei »alles, was es im modernen Fußball nicht mehr geben darf: Böse, dann und wann sogar am Rande des Gesetztes, gewaltig schwankend in seinen Leistungen, komplett unsteuerbar. Bendtner erinnert uns daran, wie der internationale Topsport früher war. Er erinnert uns an die alte Welt, über die wir teils lachen und die wir teils ein bisschen vermissen.«

Bendtner, so schließt Boye, sei heute nur noch ein Garant für Schlagzeilen: »Selbst wenn er sich ausnahmsweise mal gut benimmt, ist das eine Nachricht wert.«

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