Londoner Poppy-Day

»Achtung, Achtung hier spricht Arsène!«

In London hörten U-Bahnfahrer am vergangenen Donnerstag Stimmen. Nicht etwa weil die Geister des bevorstehenden Halloweens schon an die Tür klopften, sondern weil Fußballer und Schauspieler zu Ehren des »Poppy-Days« öffentliche Ansagen übernahmen.

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Eine Fahrt in der Londoner U-Bahn ist die Hölle. Es ist laut, schmutzig, es gibt keine Notausgänge, kein Zug ist pünktlich. Dazu muss man Zeitungen lesen, die jeden Tag von einer bevorstehenden Apokalypse durch Terrorismus und Reality-TV berichten. Gestern allerdings konnten die Londoner Sardinen ein bisschen lächeln. Lautsprecherdurchsagen wie das legendäre »Mind the Gap« oder ein nicht minder schönes »This is a Piccadilly Line service to Cockfosters« wurden nicht von einer seelenlosen Roboterstimme vorgelesen, sondern von Arsène Wenger. An den drei Stationen rund um das Stadion des FC Arsenal ertönte die Stimme des Trainers.

Im ganzen Tube-System waren die Stimmen von verschiedenen Prominenten zu hören, darunter eine Menge Fußballspieler. Warum? Weil es Londoner Poppy-Day ist. Der Tag, an dem tausende Londoner eine rote Mohnblüte auf der Brust tragen, um an die Opfer des Ersten Weltkriegs zu erinnern und Spenden zu sammeln. Dass der gefallenen Soldaten jetzt auch durch U-Bahn-Ansagen von Fußballprominenz gedacht wird, ist nur zwangsläufig.

Denn der Poppy-Day ist längst kein Erinnerungstag mehr, sondern eher ein Anlass, um andere zu beleidigen, falls sie nicht genügend Respekt gegenüber den glorreichen Toten zeigen. In den vergangenen Jahren ist das eigentlich als Gedenktag für alle europäischen Kriegsopfer gedachte Datum zu einem quasi-nationalistischen Ritual geworden. Ein Fest des willkürlichen Patriotismus und der übertriebenen, unangebrachten Emotionen. Vielleicht passt es also doch ganz gut zum Fußball.