Löten mit den Lilien – Ein Erlebnisbericht aus der Kabine

»Uffstiech! Uffstiech!«

Wie schafft man es auf es auf die Kabinenparty eines frisch gebackenen Sensationsaufsteigers? Drei Studenten aus Darmstadt wussten wie. Dies ist ihr spektakulärer Erlebnisbericht.

Stephan Wahl

Pfingstsamstag, 16:25 Uhr
Auf einem Sportplatz in Sorga bei Bad Hersfeld
Nicht nur in der Bundesliga geht es an diesem Samstag im Abstiegskampf um alles. Jedes Tor, jede einzelne misslungene und gelungene Aktion kann über den Ausgang eines ganzen Jahres harter Arbeit entscheiden. Der gastgebende Verein kämpft mit Mann und Maus ums Überleben in der Bezirksliga, nur ein Sieg gegen den direkten Konkurrenten hilft, um am letzten Spieltag den Klassenerhalt aus eigener Kraft zu schaffen. In Überzahl bekommt der Gast beim Stand von 2:1 einen Elfmeter zugesprochen, der Ausgleich wäre schon fast die halbe Miete und für den Gastgeber der Stoß über die Klippe. Die 200 Zuschauer halten beim Elfmeterpfiff den Atem an.

»Wenn mein Sohn den Elfmeter hält, bekommt er von mir eine Eintrittskarte für das Spiel in Darmstadt«, trompetet die schockstarre Mutter des Torhüters der Gastgeber vor der Ausführung des wichtigsten Elfmeters der Saison, die Umstehenden feixen trotz der dramatischen Lage. Ihr Sohn, eigentlich Stürmer und nur im Tor, weil sich der etatmäßige Keeper verletzt hat, bekommt von dieser Aussage natürlich nichts mit, er ist zu sehr auf den Schützen und den anstehenden Elfmeter fokussiert. Durch Neuer-esque Fähigkeiten gelingt es ihm tatsächlich, das Tor und den sicheren Abstieg zu verhindern. Seine Mannschaft verteidigt in den letzten 20 Minuten bedingungslos die Führung und sichert sich ein Endspiel am letzten Spieltag.

Nach dem Spiel wird der Torwart von Zuschauern auf den Wetteinsatz von seiner Mutter hingewiesen. Wettschulden sind Ehrenschulden, die Mutter ist fortan auf der Suche nach einem Ticket für ihren Sohn und dieser bereits auf dem Weg nach Darmstadt.

Pfingstsonntag, 14:50 Uhr
Merck-Stadion am Böllenfalltor, Darmstadt
Nichts zu machen. Selbst der sonst so ergiebige Schwarzmarkt bricht unter dem Andrang vor dem letzten Heimspiel von Darmstadt 98 zusammen. Selbst die allergrößte Nichtabstiegsprämie seines Dorfvereins erscheint wie ein kleines Taschengeld im Gegensatz zu den horrenden Summen, die fliegende Händler für ihre Tickets ausrufen. Der Torwart hätte sich verschulden müssen, um irgendwie noch ein Ticket zu ergattern. Traurig realisiert er, dass er das Spiel nicht im Stadion wird verfolgen können.

Wie gut ist es doch, dass er nur einen Steinwurf vom Bölle entfernt in einem Studentenwohnheim lebt. Vom Dach aus sieht man die Befreiungsschläge Aytac Sulus, im Gemeinschaftsraum wurde eine Leinwand samt Beamer aufgebaut. Alles ist angerichtet.