Loblied auf Roger Schmidt

Cojones!

Dass Leverkusens Roger Schmidt ein guter Trainer ist, wussten wir. Dass er ziemlich dicke Eier hat, wissen wir seit gestern Abend.

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Es gibt wenige Dinge, die uns noch mehr Angst machen, als eine direkte Konfrontation mit Diego Simeone. Ein Cage-Fight mit fünf hungrigen Löwen, Lutz Bachmann als Bundeskanzler, das Abitur nachholen – das war es auch schon. Der Trainer von Atletico Madrid hat eine aggressive Frisur, die sonst nur Halsabschneider der Camorra tragen dürfen, das Gesicht einer Bulldogge, die im Anti-Aggressionskurs den Kursleiter totgebissen hat und das Temperament eines Motorrad-Rockers, dem man gerade das Motorrad geklaut, die Frau ausgespannt und die Kutte befleckt hat. Es braucht schon ziemlich dicke Eier – Cojones, wie es in Simeones argentinischer Heimat heißt – um dem 44-Jährigen Paroli zu bieten.

Hoden aus Stahl

Leverkusens Roger Schmidt ist bislang nicht dafür bekannt gewesen, Hoden aus Stahl zu haben. Der 47-Jährige wirkt an der Seitenlinie immer etwas aufgescheucht, wie ein Huhn, dem der Bauer ein paar Aufputschmittel unter die Körner gemischt hat.

Mitte der ersten Halbzeit im Achtelfinal-Hinspiel zwischen Bayer Leverkusen und Atletico Madrid passiert dann das: Haken Calhanoglu foult Madrids Kapitän Gabi. Woraufhin sich German Burgos, Atleticos Co-Trainer, lautstark beim vierten Offiziellen beschwert und eine gelbe Karte fordert. Burgos, das muss man wissen, ist 1,88 Meter groß, war von 1995 bis 2002 argentinischer Nationaltorwart und sieht inzwischen aus wie ein Daumenbrecher der mexikanischen Mafia. Er ist Mitglied der Rock-Band »The Garb« (Das Gewand) und erlangte erst jüngst zweifelhafte Berühmtheit, als er im Derby gegen Real Madrid dem Schiedsrichter an die Wäsche wollte. Simeone und seinen Spieler gelang es nur mit Mühe, Burgos zurückzudrängen. Dieser German Burgos beschwert sich also beim vierten Unparteiischen.