Loblied auf die Zweite Liga

Montags gehört Vati mir

Zwischen den Provinzklubs hatten es sich ein paar Dauermieter in der Zweiten Liga gemütlich gemacht. Fortuna Köln, Alemannia Aachen und die SpVgg Fürth gehörten viele Jahre lang zum Inventar. Und es ist nicht allzu gewagt zu vermuten, dass etwa Aachen noch immer im Unterhaus mitkicken würde, wäre der Alemannia nicht der Aufstieg in die Bundesliga dazwischengekommen, der zahlreiche Funktionäre größenwahnsinnig werden ließ. Ähnliches lässt sich auch von anderen gediegenen Zweitliga-Standorten erzählen.

Zwischendurch schauten immer wieder auch zahlreiche Großklubs mal in der Zweiten Liga vorbei. Borussia Dortmund gehörte zu den Gründungsmitgliedern, auch der VfB Stuttgart, Werder Bremen, Hannover 96, Hertha BSC, der FC Schalke und der 1. FC Nürnberg waren zu Gast – und seit den neunziger Jahren auch gerne der 1. FC Köln.

Die Region stirbt

Der Schrecken eines Abstiegs in die zweite Klasse, früher eine apokalyptische Vision bei Erstligaklubs, hält sich inzwischen jedoch in Grenzen. Als der 1. FC Kaiserslautern 1997 abstieg, barmten Spieler, Funktionäre, Fans noch: »Die Region stirbt!« Tat sie aber gar nicht, stattdessen stieg der FCK prompt in der nächsten Saison wieder auf und wurde Deutscher Meister.

Inzwischen gilt ein kurzer Ausflug ins Parterre mitunter sogar als Gelegenheit zur Neujustierung und Selbstbesinnung. Was auch daran liegt, dass der allgemeine Fußballboom irgendwann auch dort zu wirken begann. Das lag an den größer werdenden Stadien, aber auch an der schier explodierenden Fernsehpräsenz des Unterhauses. Hatte die Zweite Liga zunächst nur als Kurzbericht in der Sonntags-Sportschau vor sich hinvegetiert, gierten Spartensender wie das DSF seit den neunziger Jahren nach finanziell erschwinglichem Livefußball.



Seither flimmern auch wenig ansehnliche Kellerduelle live über den Schirm, von markanten Sprecherstimmen als Jahrhundertereignis angekündigt. Damals wurde auch das sogenannte »Montagsspiel« ersonnen, das den Spieltag auf vier Tage spreizte und seither dem Sender hohe Quoten und den Anhängern der beteiligten Vereine Pein und Verdruss bereitet. Der Coverspruch des St. Pauli-Fanzines »Übersteiger«, der eine Variante des alten DGB-Klassikers auf den Titel hievte (»Montags gehört Vati mir!«), hat jedenfalls nichts von seiner Aktualität eingebüßt.

Epische Schlachten und Dramen

Mittlerweile scheint die Liga jedenfalls ihre endgültige Form gefunden zu haben. 1982 wurde aus zwei 20er-Staffeln eine Spielklasse mit 20 Mannschaften, was der Qualität der dargebotenen Spiele nur gut tat. Dann wurde es kurzfristig noch einmal eng im Parterre. Um im Zuge der deutschen Einheit die Klubs der verwesenden DDR in den westdeutschen Ligabetrieb zu integrieren, wurde das Unterhaus in der Saison 1992/93 kurzfristig noch einmal auf zwei Staffeln aufgebläht, seit 1995 spielen Erste und Zweite Liga nun mit jeweils 18 Teams. Und auch die Relegationsspiele, 1992 zunächst aufgegeben, wurden wieder eingeführt. Dass die Ausscheidungsspiele überhaupt abgeschafft worden waren, war mit besserer Planungssicherheit für die betroffenen Klubs begründet worden.

Dabei hatten sich insbesondere in der Relegation zwischen Zweiter und Erster Bundesliga häufig regelrechte Dramen mit hohem Unterhaltungswert abgespielt. Sei es die epische Schlacht zwischen Borussia Dortmund und Fortuna Köln 1986, bei der Jürgen Wegmann in allerletzter Minute ein Entscheidungsspiel für den BVB herausholte, oder das Südwest-Duell zwischen dem SV Darmstadt 98 und SV Waldhof Mannheim, das 1988 in einem Entscheidungsspiel inklusive Elfmeterschießen auf, nun ja, neutralem Platz in Saarbrücken entschieden werden musste. Und auch sonst erregte die Zweite Liga immer mal wieder die Gemüter. Mal schmiss Fortuna Kölns erratischer Präsident Schäng Löring seinen Coach in der Halbzeitpause raus, mal kauften sich windige Konzerne bei Berliner Zweitligisten ein und gaben als Nahziel die Weltherrschaft aus. Nicht nur da bot die Zweite Bundesliga verlässlich erstklassige Unterhaltung.