Liverpools Besitzer wollen nicht gehen

Hicks! Schluckauf im Kop

Der FC Liverpool ist längst ein Spekulationsobjekt. Als die amerikanischen Investoren Hicks und Gillett im Jahr 2007 den Klub übernahmen, ahnten die Fans das Schlimmste. Doch es kam noch viel schlimmer. Eine Chronologie.  Liverpools Besitzer wollen nicht gehen
Man konnte das Aufatmen rund um die Liverpooler Anfield Road fast bis auf das Festland hören. Die beiden Klubinhaber George Gillett und Tom Hicks haben zwangsweise den Weg für frei für einen Neustart  der Reds freigemacht. Dennoch erklommen die beiden wohl unbeliebtesten Klubbesitzer des englischen Fußballs in den letzten vier Jahren eine neue Abneigungsstufe, der Klub verkam zum Spekulationsobjekt. Die Chronologie einer Finanzposse.

02. Februar 2006:
Die amerikanischen Investoren George Gillett und Tom Hicks schluckt für 435 Millionen Pfund (umgerechnet 714 Millionen Euro) den FC Liverpool. 215 Millionen Pfund der Kaufsumme sollen umgehend in ein neues Stadion investiert werden. Die Klubführung stimmt der Übernahme einstimmig zu.

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06. Februar 2006:
Nach der Übernahme wird der Wert des Klubs auf 218 Millionen Pfund geschätzt. Die Schulden des Vereins werden auf 48 Millionen Pfund beziffert.  Auf ihrer ersten Pressekonferenz versprechen die neuen Besitzer schnelles Handeln beim Stadionbau: »In den nächsten 60 Tagen wird der ersten Spaten in den Boden gehen.«  

23. Mai 2007
Liverpool verliert das Champions League Finale gegen den AC Mailand mit 1:2. In der Folge versprechen Hicks und Gillett Reds-Trainer Rafael Benitez nahezu unbegrenzten Spielraum beim Einkauf von neuen Spielern. Wie ernst er das meint, untermauert das Zitat von George Gillett: »Wenn Rafa sagt, er würde gerne Snoogy Doogy verpflichten, werden wir ihn unterstützen.« Gillett meinet den US-Rapper Snoop Dogg. Jetzt zweifeln die Fans der Reds nicht nur an der sportlichen Kompetenz ihrer Klubbesitzer.   

04. Juli 2007
Liverpool kauf Fernando Torres für knapp 40 Millionen Euro von Atletico Madrid. Außerdem kommen mit Ryan Babel (17,5 Millionen Euro von Ajax Amsterdam) Martin Skrtel (10 Mio./St. Petersburg), Lucas (10 Mio./Gremio Porto Alegre) und Yossi Benayoun (7,5 Mio./West Ham United) weitere kostspielige Hochkaräter an die Anfield Road.  

November 2007
Die Klubbosse geraten mit Trainer Benitez aneinander. Der fordert weitere Neuzugänge im Winter, woraufhin Gillett und Hicks Benitez mitteilen lassen, er solle sich auf das Training konzentrieren und mit den Spielern arbeiten, die er zur Verfügung habe. Es folgt eine legendäre Pressekonferenz, in der Benitez auf alle gestellten Fragen mit dem immer gleichen Satz antwortet: »Ich konzentriere mich auf das Training und arbeite mit den Spielern, die mir zur Verfügung stehen.« Benitez gilt seit dem Champions-League-Gewinn von 2005 bei den Fans als unbestritten. Die Fronten verhärten sich weiter.

14. Januar 2008
Mitten in eine Niederlagenserie der Reds wird bekannt, dass sich Verantwortliche des Klubs mit einem möglichen Benitez-Nachfolger getroffen haben. Sein Name: Jürgen Klinsmann. Hicks bestätigt ein Treffen und sagt: »Das ist lediglich eine Sicherheitsmaßnahme, falls Benitez uns in Richtung Real Madrid verlassen sollte.«  

22. Januar 2008
Im Rahmen des Ligaspiels gegen Aston Villa protestieren tausende Liverpool-Anhänger geschlossen unter dem Namen »Spirit of Shankly« gegen die amerikanischen Investoren. Sie fordern den Verkauf des Klubs an die Investorengruppe DIC aus Dubai, die 2007 noch von Gillett und Hicks überboten wurde. Fast gleichzeitig werden neue Stadionpläne veröffentlicht. Ein Baustart ist noch nicht in Sicht.   

April 2008 
Die Meldung, dass Gillett und Hicks kaum noch miteinander reden, sorgen für Tumult in der Liverpooler Fanszene. Zudem wird bekannt, dass der ehemalige Klubpräsident Rick Parry bei den Verhandlungen mit Klinsmann zugegen war. Parry galt bis dahin als Benitez-Freund, er selbst war 2004 maßgeblich an der Verpflichtung des Spaniers beteiligt.  

Januar 2009
Benitez beschwert sich öffentlich über die Transferpolitik des Vereins. Die verweigert ihm die Mittel aus dem Verkauf von Robbie Keane (für 16,7 Mio. Euro zu Tottenham), der erst im Sommer für 24 Mio. Euro von den Spurs gekommen war. Der Trainer verweigert eine langfristige Verlängerungen seines Vertrages bis die zukünftige Führung des Vereins abschließend geklärt ist. 

Juni 2009
Christian Purslow wird neuer Geschäftsführer und bekommt den Auftrag schnellstmöglich rund 100 Millionen Euro frisches Kapital zu besorgen, damit der Klub die hohen Kredite - vor allem bei der Royal Bank of Scotland - weiter bedienen kann.

Januar 2010
Tom Hicks Junior, der Sohn des Mitinhabers, wird aus dem Vorstand entlassen nachdem er dem Liverpool-Anhänger Stephen Horner in einer Email als »Idiot« beschimpfte. Die Schuldenlast des Vereins wird mittlerweile auf 300 Millionen Euro geschätzt.  

März 2010
Die amerikanische Rhone Group bietet 125 Millionen Euro für 40 Prozent der Vereinsanteile. Hicks und Gillett schaffen es nicht innerhalb der gesetzten Frist zu antworten.  

April 2010
Hicks und Gillett bieten den Liverpool FC offiziell zum Verkauf an. Martin Broughton wird als Interims-Vorstandsvorsitzender installiert, der den Verkauf abwickeln soll. Die Royal Bank of Scotland, der Hauptkreditor des Klubs, fordert vom Verein eine komplette Neubesetzung des Vorstandes als Auflage für die Aufrechterhaltung der Kredite.

Mai 2010
Der Klub meldet eine Rekordneuverschuldung von knapp 63 Millionen Euro aus dem im Jahr 2009.  

August 2010
Die chinesische Regierung bietet über Mittelsmänner für den Kauf des FC Liverpool. Ein weltweit einmaliger Vorgang. Mittlerweile droht dem Klub die Insolvenz oder ein weiteres Worst-Case-Szenario: Da die Royal Bank of Scotland im Zuge der Weltwirtschaftskrise teilverstaatlicht wurde, droht der Liverpool FC im Falle der Zahlungsunfähigkeit  in die Hände der Bank zu fallen. Damit wären die Reds praktisch verstaatlicht.

5. Oktober 2010
Die amerikanische Investorengruppe New England Sport Venturas (NESV) bieten 345 Millionen Euro für den Klub. Der Vorstand stimmt dem Angebot einen Tag später zu. Hicks und Gillett hingegen kündigen rechtliche Schritte gegen den Verkauf an. Sie fordern weiterhin rund 900 Millionen Euro für den Verkauf des Vereins. Ein neues Stadion ist in Liverpool nicht in Sicht.

6. Oktober 2010
Anhänger der Reds veröffentlichen ein Video im Internet, in dem zahlreiche Fans eine klare Botschaft kundtun: »Hicks, verpiss Dich!«



13. Oktober 2010  
     
Londoner High Court weist die Klage der Gillett und Hicks zurück. Die hatten den Verkauf des Klubs ohne ihre Zustimmung als nicht zulässig angesehen und wollten ihren Einspruch vor dem Kadi einklagen. Nur einen Tag zuvor hatte Milliardär Peter Lim 413 Millionen Euro für den Klub geboten. Das Angebot ist nach dem Richterspruch hinfällig. Der Weg zum Verkauf des Klubs an die NESV ist frei.

14. Oktober 2010
Hicks und Gillett erreichen vor einem texanischen Gericht eine einstweilige Verfügung. Die Klage richtete sich richtet sich gegen den Hauptkreditgeber Royal Bank of Scotland sowie drei Vorstandsmitglieder. Hicks und Gillett fordern zudem umgerechnet 1,1 Milliarden Euro Schadensersatz. Der Verkauf wird ausgesetzt. Der Countdown läuft: Schafft es Liverpool nicht bin morgen den Kredit von 270 Millionen Euro an die Royal Bank of Scotland zu bezahlen, wird ein Insolvenzverfahren eingeleitet. 

15. Oktober 2010
Spektakuläre Wendung der Geschehnisse: Hicks und Gillett ziehen ihre einstweilige Verfügung zurück und verhandeln nun mit den Verantwortlichen des Hedge-Fonds Mills Financial. Ganz offensichtlich wollen die beiden mit aller Macht eine Übernahme des LFC durch NEVS verhindern. Das Damoklesschwert der Insolvenz schwebt weiterhin über der Anfield Road.

15. Oktober 2010
16:30 Uhr:  Nach einem tagelangen Wirtschaftskrimi ist der FC Liverpool quasi in letzter Sekunde gerettet. Die alten Eigner Tom Hicks und George Gillett stimmen dem Verkauf des Klubs an die New England Sports Venture (NESV) zurück. Der Verkaufspreis soll umgerechnet rund 350 Millionen Euro betragen. Trotzdem droht weiterhin Ärger: Die beiden US-Amerikaner Hicks und Gillet fordern nun einen Schadenersatz in Höhe von umgerechnet rund 1,1 Milliarden Euro und kündigten an, »jeden Rechtsweg auszureizen«, um das Geld zu erhalten.