Linkin Park über Löw, Beckham und den FC Bayern

»California-Klinsmann, he’s my guy!«

Es gibt allerhand Fotos, die Sie mit Bayern-Spielern wie Jerome Boateng oder Thomas Müller zeigen. Wie kommt das?
Wir haben gemeinsame Freunde. Mein lustigstes Treffen war allerdings mit Jogi Löw. Wir wurden einander vorgestellt, allerdings glaube ich, dass er noch nie von Linkin Park gehört hatte. Wie auch immer: Es war kurz vor dem EM-Qualifikationsspiel gegen Gibraltar. Ich wollte einen Scherz machen und sagte: »Wenn Sie dieses schwere Auswärtsspiel wirklich gewinnen wollen, sollten Sie mich im Sturm aufstellen.« Er schaute mich fragend an – dann war das Gespräch vorbei. Entweder versteht er kein Englisch oder keine Ironie. Oder ich habe sehr undeutlich gesprochen.
 
Haben Sie mit Jerome Boateng mehr Gesprächsthemen?
Er ist auf jeden Fall musikinteressiert. Und sein Manager ist Jay Z, mit dem wir auch mal etwas zusammen gemacht haben. Ich finde eh, dass es einige Gemeinsamkeiten zwischen Profifußballern und Musikern gibt.


 
Welche?
Ich meine damit natürlich nicht das Physische. Eher diesess ständige Unterwegssein. Jerome stellt sich jedenfalls ähnliche Fragen wie ich: Wie schafft man es dabei, die Freunde zu Hause nicht zu vergessen? Wie organisiert man sein Leben, wenn man einen Großteil des Jahres nur aus Koffern lebt? Wenn man am Wochenende in Deutschland spielt, unter der Woche in der Champions League oder für eine Nationalmannschaft in Ägypten, Australien oder den USA.
 
Wir haben Ihnen noch zwei Bilder mitgebracht. Fangen wir mit diesem an: 



(Lacht.) Ich mag Landon. Er war einer der besten Spieler in der US-Fußballgeschichte und ist eine große Persönlichkeit. Außerdem hat er Humor.
 
Er ist mal mitten in der Saison nach Kambodscha abgehauen, ohne dass er jemandem Bescheid gesagt hatte.
Ich glaube, nicht mal seine Mitspieler wussten, wo er war. Es war eine Art Selbstfindungstrip.

Und was hat es mit diesem Bild am Wasserspender auf sich? Das Cover eines nie erschienenen Soft-Erotik-Films? 
Ich glaube, es stammt aus der Foto-Fashion-Strecke aus der »New York Times«, die vor der WM 2002 veröffentlicht wurde. Lilafarbenes Hemd und hat einen Schlafzimmerblick. Echt schräg – so wie auch die anderen Bilder der Serie.
 
Dann haben wir noch dieses Bild: 



California-Klinsmann, he’s my guy. Ich denke, er hat wirklich viele Dinge zum Positiven verändert und einiges angestoßen. Ich war immer Fan von ihm. Als Kind hatte ich ein Poster an der Wand hängen, auf dem Matthäus und Klinsmann zu sehen sind.
 
Die USA hat unter Klinsmann den Gold Cup gewonnen und schied 2014 im WM-Achtelfinale erst nach Verlängerung aus. Sind die Erwartungen in den USA zu hoch?
In den USA hast du zwei Lager. Auf der einen Seite gibt es die Leute, die Fußball verstehen. Die wissen, dass England das Mutterland ist, dass Deutschland, Holland oder Argentinien immer verdammt gute Mannschaften haben. Und dann gibt es die, die glauben, die USA müsste in jedem Sport der Welt oben mitspielen. Oder ihn sogar dominieren. Spätestens wenn sie merken, dass das amerikanische Frauenteam sehr erfolgreich im Fußball ist, fragen sie: »Warum denn nicht die Männer? Kann doch nicht so schwer sein!«
 
Wie bewerten Sie die aktuelle Mannschaft?
Ich war 2014 traurig über das Aus, aber natürlich war das Achtelfinale ein Erfolg. Für die Zukunft erhoffe ich mir ein Team, das nicht nur defensiv spielt, sondern das auch mal den Ball halten kann und offensiv und attraktiv nach vorne spielt. Besonders ein Junge wie Pulisic macht mir Hoffnung. 
 
David Farrell, wir haben neulich ein Interview mit Mando Diao gemacht. Die Band sagte, wenn ihr Team ein Fußballverein wäre, wäre sie Manchester City. Wie steht es mit Linkin Park?
Puh. Schwierige Frage. L.A. Galaxy ist nicht besonders kreativ, oder? (Überlegt.) Ich entscheide mich für New York Cosmos.
 
Ein Zeitlang das coolste Team der Welt.
Eine Mannschaft, die für die letzte große Profifußball-Ära in den USA steht. Danach fiel Fußball in den USA in einen 30-jährigen Schönheitsschlaf.

Linkin Park sind momentan auf Europatour. Am kommenden Montag spielt die Band in der Berliner Mercedes-Benz-Arena. Tickets gibt es auf koka36. Mehr Informationen zum neuen Album findet ihr auf linkinpark.com.