Leroy Sanés Zukunft beim DFB

Jetzt erst recht?

Der Bundestrainer hatte gute Gründe, Leroy Sané aus seinem WM-Kader zu streichen. Nach dem Debakel in Russland ist es jetzt an Sané, sich zu beweisen. Wieso seine Situation an Mesut Özil erinnert und wie er Joachim Löw überzeugen möchte.

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Nach dem Vorrunden-Aus des DFB-Teams bei der Weltmeisterschaft in Russland wurde zumindest extern alles und jeder hinterfragt. Muss Jogi Löw jetzt zurücktreten? Was ist mit Reinhard Grindel? Wie geht es weiter mit Mesut Özil? Und: Hätte Leroy Sané das Ausscheiden verhindern können?

Mit etwas zeitlichem Abstand wurden die ersten drei Fragen so beantwortet: Offensichtlich nicht. Leider nichts. Überhaupt nicht. Die letzte Frage, die im Konjunktiv, wird sich nicht beantworten lassen. Wir reden über alternative Realitäten, die Antworten können nur Mutmaßungen, Spekulationen und Kaffeesatzleserei sein, wenngleich die letzte Methode eigentlich die Zukunft voraussagen soll.

Vor der WM war in diesem Sinne auf 11freunde.de zu lesen: »Niemand muss sich Sorgen machen, dass Deutschland ohne Sané bei der WM eine Bruchlandung erleidet.«  Retrospektiv muss der Umkehrschluss lauten: Auch ein Sané in Bestform hätte die deutsche Bruchlandung vermutlich nicht verhindern können. Abgesehen davon, dass er sehr wahrscheinlich nicht in Bestform aufgelaufen wäre. Das war auch Jogi Löw bewusst, als er sich dafür entschied, Sané nicht für den endgültigen WM-Kader zu nominieren.

Überheblich, abgehoben, arrogant

Denn in der Nationalmannschaft hatte er bis dato nie überzeugt. Seine Leistungen in 13 Länderspielen seit 2015 beim DFB widersprachen einerseits denen im Verein – 14 Tore, 19 Vorlagen, bester Nachwuchsspieler in England letzte Saison – andererseits seinem Selbstverständnis inklusive einem gigantischen Tattoo-Selbstporträt in Jubelpose auf dem Rücken, Verzicht auf den Confed Cup, teuerster deutscher Fußballer aller Zeiten.

Der Eindruck drängte sich auf, Sané sei überheblich, abgehoben, arrogant. Auch im Kreis der Nationalmannschaft. In den Spielen mit dem DFB zeigte er sich eigensinnig, im Training lustlos. Löw sagte zu seiner Nicht-Nominierung, er sei noch nicht »so richtig angekommen«. Toni Kroos war schon im Mai etwas deutlicher geworden: »Wir hatten einige Spieler, die die Möglichkeit hatten, sich zu zeigen. Das haben sie nicht getan.« Er habe von allen, das schließt Sané ein, mehr erwartet, unter anderem eine andere Körpersprache. Beide betonten im gleichen Zug die enormen Qualitäten des Ex-Schalkers. Sie waren nur nicht zu sehen. Löw kündigte noch an, Sané werde bald wieder mit dabei sein.