Legia Warschau in der Champions League

Angekommen im Paradies

20 Jahre hat Polens Fußball auf einen Teilnehmer in der Königsklasse warten müssen. Den gibt es zwar wieder, aber die Angst vor einer Blamage ist groß.

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Nach 20, für die polnischen Fußballfans schon qualvollen Jahren, ist mit Legia Warschau endlich wieder ein polnischer Klub ins Fußball-Paradies namens Champions League zurückgekehrt. Eine Durststrecke, die in Polen viele schon verzweifeln ließ. Ein Land, das fast 40 Millionen Einwohner hat, in dem die Wirtschaft floriert, konnte die Königsklasse nur vor dem Fernseher verfolgen. Was aber auch manchmal an der eigenen Dummheit lag. Ein legendäres Beispiel dafür ist die Partie von Legia Warschau gegen Celtic Glasgow von vor zwei Jahren. Im Hin- und Rückspiel zerlegte man den schottischen Traditionsverein mit 6:1. Da Legia aber für die letzten zwei Minuten des Rückspiels einen gesperrten Spieler einwechselte, kam Celtic am grünen Tisch weiter.

Gerade so in die Champions League

Für den polnischen Hauptstadtverein ein Trauma, mit dem sowohl die Vereinsführung als auch die Mannschaft und die Fans lange zu kämpfen hatten. Nicht wenige glaubten damals gar, das Opfer einer Verschwörung zwischen der UEFA und Celtic geworden zu sein. Doch spätestens in dieser Saison müssten diese Stimmen verstummen, denn in dieser Saison hat es das Schicksal mit Legia mehr als nur gut gemeint. Während die Mannschaft vor zwei Jahren schönen und ansehnlichen Fußball spielte, liefert das heutige Team solch einen Rumpelfußball ab, dass es selbst in der schwachen polnischen Ekstraklasa bisher nur zu zwei Siegen in sieben Spielen reichte. Hätte das Los den Polen ein anderes Team zugeordnet als die irischen Halbamateure vom FC Dundalk, gegen die sich Legia mehr quälte als spielte, wäre es wohl auch in diesem Jahr nichts mit der Champions League geworden.

Die polnischen Fußballfans und Sportjournalisten sind sich dieser Tatsache bewusst. Schon nach dem Schlusspfiff fragten sie sich laut, wie Legia eine Blamage in der Champions League vermeiden kann. Die Gegner in Gruppe F heißen Sporting Lissabon, Real Madrid und Borussia Dortmund. Sorgen, die nach der Auslosung noch lauter wurden, für die der Legia-Trainer Besnik Hasik jedoch kein Verständnis hat. »Statt zu meckern, sollten sich die Polen freuen«, ließ der Coach, der in den letzten zwei Jahren den RSC Anderlecht betreute, verlauten. Ein Spruch, der an der Weichsel für Unverständnis sorgte, dafür aber die Haltung der Vereinsführung gut wiedergibt.

Er ist da was am Planen dran

Im Dezember 2012 wurde Boguslaw Lesnodorski Vorsitzender des 1916 als Armeeklub gegründeten Vereins. Der Jurist, der bis dahin in der freien Wirtschaft tätig war, professionalisierte nicht nur die Strukturen des Klubs, sondern erstellte auch einen mehrjährigen Entwicklungsplan. Geld in die Nachwuchsarbeit und in junge, talentierte Spieler aus der Region investieren, die das Team nicht nur sportlich weiterbringen, sondern durch die Auftritte in der Liga und auf der europäischen Bühne sich auch mit Gewinn weiterverkaufen lassen können.