Legendäre Traumtore (39): Kurt Meyer

Rentner sieht den Ball rein

Im Januar 2001 schießt der Recklinghäuser Kurt Meyer den Ball formschön in den Knick. Er wird mit 80 Jahren zum ältesten Gewinner beim »Tor des Jahres«. Und weint Tränen der Rührung.

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Der Amateurverein Blau-Weiß Post Recklinghausen hat die Geschichte des deutschen Fußballs schon enorm beeinflusst. Denn schließlich lernte hier ein zweimaliger Torschützenkönig der Bundesliga das Kicken: Martin Max. Zwar haben dieses Kunststück schon andere fertig gebracht, doch man lehnt sich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn man sagt: Es wird in naher Zukunft nicht mehr allzu viele Spieler geben, die im Trikot von Hansa Rostock und 1860 München die besten Torjäger der Bundesliga werden.

Im Jahr 2001 erlangte wiederum ein Vollblutstürmer von BW Post deutschlandweites Aufsehen, allerdings jemand, der zu diesem Zeitpunkt 46 Jahre älter als Max war: Kurt Meyer. In einem Altherrenspiel gegen Hillerheide legte sich der Rentner den Ball mit der Hacke vor und vollendete gefühlvoll mit einem Schlenzer in den Knick. Zum Glück war ein Fernsehteam vor Ort, um das Kunststück des 79-Jährigen aufzunehmen. So kam Meyers Treffer in die Vorauswahl für die Abstimmung zum »Tor des Jahres«. Über 65 Prozent der Zuschauer votierten für »Kurti«, den ehemaligen Bergmann. Als dieser von seinem Sieg erfuhr, schossen ihm die Tränen in die Augen, berichtete später Ehefrau Anni.



Vor den anreisenden TV-Kameras und Printjournalisten gab sich Meyer dannn schlagfertig, als er seinen großen Moment erklärte: »Den Ball habe ich rein gesehen.« Nach all der Feierlichkeiten zu seinen Ehren entschwand er samt Gattin dem Medienrummel und reiste ins Allgäu. Dabei war die Auszeichnung zwar die populärste, aber wahrlich nicht die einzige im Leben von »Meyer15«, wie er aufgrund seiner Rückennummer genannt wurde. In den siebziger Jahren soll er einen Pokal erhalten haben für 300 im Training geschossene Tore. Solche Auszeichnungen wünscht man sich heute auch mal wieder.

Dem Verein BW Post ist er bis ins hohe Alter treu geblieben. Nach den Auszeichnungen und TV-Auftritten kündigte er gegenüber seinen Mitspielern an: »Zehn Jahre habe ich noch Vertrag bei euch, dann werde ich mal die Angebote sondieren.« Sieben Jahre später verstarb Kurt Meyer. Auf die Medaillen zum »Tor des Monats« und »Tor des Jahres« passte seine Frau Anni auf.