Legendäre Traumtore (31): Zidane vs. Sevilla

35 Meter Magie

Über Zidanes Spiel sind Gedichte geschrieben und Filme gedreht worden. Die Band Mogwai vertonte sein Spiel sogar mal. Aber welches Tor ist sein bestes? Dieses ist zumindest eines der wichtigsten.

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Er ist einer der größten Spieler unserer Zeit, wurde drei mal Weltfußballer, gewann nationale Meisterschaften, die Champions League, führte seine Nation zum Welt- und Europameister-Titel. Der Klang seines Namens hat auch ohne die mit ihm verknüpften Erfolge etwas Magisches: Zinedine Zidane.

In der Saison 1995/96 hätte Zidane den Uefa-Cup gewinnen können, scheiterte allerdings mit Girondins Bordeaux im Finale am FC Bayern München. Im Achtelfinale gelang dem damals 23-Jährigen allerdings ein Zaubertor, das all seine Qualitäten veranschaulicht. Er war mit den Gedanken immer mindestens einen Schritt schneller als seine Gegner, hatte eine überragende Übersicht und verfügte über eine Ballfertigkeit, die jeden Fußballfan verzaubert.

Eigentlich eine Allerweltsszene – eigentlich

Im Rückspiel jenes Achtelfinals zwischen Girondins Bordeaux und Betis Sevilla läuft die vierte Spielminute. Bordeaux-Torwart Gaetan Huard tritt einen Abschlag knapp zehn Meter über die Mittellinie, wo der Ball mit dem Kopf verlängert wird und circa 35 Meter vor dem Tor Sevillas auftippt. Eigentlich eine Allerweltsszene, die bei keinem Fan für erhöhten Blutdruck sorgt.

In diesem Fall tippt der Ball aber vor Zidane auf, der die Situation blitzschnell erfasst und handelt. Er sieht, dass sich Sevillas Torwart weit vor seinem Kasten befindet, zu weit. Er zieht mit durchgestrecktem Bein, das jeder Balletttrainerin eine Freudenträne ins Auge gezaubert hätte, voll durch. Dann sieht er zu, wie sich der Ball über alle überraschten Gegenspieler hinweg ins Tor senkt. Betis gewinnt zwar 2:1, weil aber Bordeaux das Hinspiel 2:0 gewonnen hatten, ziehen die Franzosen ins Viertelfinale ein.