Legendäre Traumtore (25): Hagi vs. Kolumbien

Den macht er doch mit links

Georghe Hagi war einer der besten Distanzschützen in der Geschichte des Fußballs. Hier zeigt er der Welt sein Können, bei der WM 1994 in den USA.

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Gheorghe Hagi war der Inbegriff des Allrounders. Er verfügte über eine klasse Ballbehandlung, eine außergewöhnliche Übersicht, konnte mit Pässen eine Abwehr filetieren oder den Ball aus der Distanz brutal ins Netz schweißen. Dazu besaß er ein Gefühl im Fuß, das die meisten nicht mal nach einer Thailändischen Reflexzonenmassage haben. All das bescherte ihm einen Platz in der FIFA 100 (einer von Pelé zusammengestellten Liste der 125 besten Fußballer) – und uns dieses Traumtor.

Aber zunächst noch ein paar Worte zum »Karpaten-Maradona«. Hagis Karriere begann in seinem Heimatland Rumänien. Sein großes Talent war offensichtlich, und so wurde er zur Saison 1986/87 mit 21 Jahren zu Steaua Bukarest, dem damaligen Gewinner des Europapokal der Landesmeister, transferiert. In seiner ersten Saison bei Steaua gewann er mit dem Team den UEFA-Supercup und schoss das entscheidende Tor zum 1:0-Endstand gegen Dynamo Kiew.

Große Bühne USA

Während seiner drei Jahre in Bukarest gewann er außerdem drei Mal die Meisterschaft, zwei Mal den Rumänischen Pokal und stand 1989, als Torschützenkönig des Wettbewerbs, im Finale des Europapokal der Landesmeister. Längst war er das sportliche Aushängeschild der Nation und Prestigeobjekt des damaligen Machthabers Nicolae Ceaușescu. Auch deswegen ließ man ihn erst 1990 ins westeuropäische Ausland wechseln. Nach der WM in Italien unterschrieb er einen Vertrag bei Real Madrid. Bei Real konnte Hagi sich allerdings nicht nachhaltig durchsetzen und verließ den Verein nach zwei Jahren Richtung Italien.

Die WM 1994 in den USA sollte seine große Bühne werden, um sich nochmal für die ganz großen Klubs zu empfehlen.

Wir sind beim WM-Auftaktspiel der Rumänen gegen Kolumbien. Es ist die 34. Spielminute, als Hagi den Ball auf dem linken Flügel bekommt, gut und gerne 40 Meter vom späteren Einschlagort entfernt. Schon bei der Ballannahme visiert er das Tor an, bemerkt, dass der Torwart nicht mit einem Schuss auf die lange Ecke rechnet. Warum auch? Hagi weiß längst, was er vor hat. Er nimmt den Ball noch ein paar Schritte Richtung Herrlichkeit mit, bevor er ihn mit einer unnachahmlichen Mischung aus Energie und Feingefühl in den langen Winkel schießt. Wenn es jemals Zweifel gab, ob es möglich ist kraftvoll zu streicheln, so hat Hagi sie mit diesem Tor ausgeräumt.

Dieses Tor zum 2:0 trug maßgeblich zum guten WM-Start für Rumänien bei. Bereits den Führungstreffer hat Hagi mit einer feinen Einzelleistung im Mittelfeld eingeleitet.



Gheorghe Hagi spielte eine großartige WM mit Rumänien und sorgte mit dem Team für den größten Erfolg in der Fußballgeschichte des Landes. Im Achtelfinale schickten die Rumänen sogar Argentinien mit einem 3:2-Sieg auf den Heimweg und scheiterten erst im Elfmeterschießen des Viertelfinals am späteren Drittplatzierten Schweden. Mit seiner starken Leistung bei der WM empfahl sich Hagi für den FC Barcelona, der ihn im Anschluss an das Turnier unter Vertrag nahm.

In Barcelona wurde jedoch Hagi auch nie wirklich glücklich, und so wechselte er zu Galatasaray Istanbul, wo er seine Karriere erfolgreich beendete. Galatasaray gewann mit Hagi, als erste türkische Mannschaft, den UEFA-Cup und den UEFA-Supercup, außerdem vier Mal die türkische Meisterschaft und zwei Mal den Türkischen Superpokal.