Legendäre Revierteams (5)

Die Götter von Hombruch

Im Juni 1958 stehen die Menschen in Hombruch, einer kleinen Ortschaft nahe Dortmund, Kopf: Ihre Jungs haben die deutsche Amateurmeisterschaft errungen. Wir erzählen noch einmal Geschichte. Legendäre Revierteams (5)imago images
Vor über 50 Jahren feierte die Ortschaft Hombruch den größten fußballerischen Erfolg in ihrer Geschichte: Am 7. Juni 1958 bejubelten die Anhänger des FV 09 die deutsche Amateurfußballmeisterschaft. Doch Erfolge in Pokal- und Freundschaftsspielen gegen große Teams wie beispielsweise den FC Schalke 04 wechselten sich ab mit Rückschlägen wie Abstiegen und daraus resultierenden finanziellen Schwierigkeiten.

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98 Jahre nach der Gründung kickt der Club nun mittlerweile unter dem Namen Hombrucher Sportverein 09/72 in der Landesliga. Die Blütezeit in den Fünfzigern jedoch bleibt für die Anhänger, die bereits damals ihren Verein unterstützen, unvergessen. Der Hombrucher SV bildete ein legendäres Revierteam.

Der Weg - Pokalfinale 1951


Die Pokalspiele beim SC Cronenberg, 1. FC Bocholt und im eigenen Stadion gegen die Meidericher SpVgg wurden glatt gewonnen, so dass die Mannschaft in das Endspiel um den Westdeutschen Fußballpokal einzog. Am 29. Juli 1951 ging das Finale gegen die Sportfreunde Wanne-Eickel aufgrund eines kurz vor Schluss von Willi Schultebraucks verschossenen Elfmeters auf dramatische Weise mit 5:4 verloren. Ein Treffer, und der FV hätte die Möglichkeit gehabt, sich im Wiederholungsspiel den Titel zu sichern.
 
Das Meisterjahr 1958

Die größten und schönsten Erfolge der langjährigen Vereinsgeschichte sollten sich aber in dem Spieljahr 1957/1958 einstellen. Nach Erfolgen zu Beginn traten Rückschläge ein, die die 09er an die vierte Stelle der Tabelle zurückfallen ließen. Der verlorene Boden wurde wieder aufgeholt und die Spitze zurückgewonnen.

Die Entscheidung über den Gruppensieg sollte erst das letzte Spiel in Dahlhausen bringen. Als der FV bereits in der Halbzeit mit 0:3 in Rückstand lag, hatte sich alles auf ein Entscheidungsspiel gegen den Bochumer Traditionsklub SV Langendreer 04 eingestellt. Mit großem Kampfgeist gingen die Kicker jedoch in die letzten 45 Minuten und machten das Unmögliche noch wahr. Beim Stande von 3:1 wurde Legre Held des Tages. Als Verteidiger weit aufgerückt, erzielte er in den letzten zehn Minuten zwei Tore, die den Ausgleich und damit gleichzeitig die Gruppenmeisterschaft bedeuteten.

Die Erringung der Gruppenmeisterschaft schien schwerer als die nachfolgenden Duelle gegen Gegner wie die Sportfreunde Siegen (Deutscher Amateurmeister 1955). Am 4. Mai 1958 wurde der Meister der Gruppe 1, die SpVgg Erkenschwick, in Hombruch mit 7:3 bezwungen und am darauffolgenden Sonntag mit einem 3:2-Sieg beide Punkte aus Erkenschwick entführt. Hombruch 09 war Westfalenmeister.

Die Endrunde der Westdeutschen Meisterschaft sah die Elf mit ihrem Spielführer Kurt Prothmann dann als Sieger vor den Meistern vom Niederrhein, TuS Lintfort, und vom Mittelrhein, SV Bergisch-Gladbach 09. Die Ortschaft schien auf dem Kopf zu stehen, als das Team nach dem 2:2 in Bergisch-Gladbach zurückkehrte. Etwas bisher nie Erlebtes war Wirklichkeit geworden: Die Mannschaft des Hombrucher FV 09 stand in den Endspielen um die Deutsche Amateurmeisterschaft!

Um in das Finale vorzudringen, war aber noch die Hürde Rapide Wedding in der alten Reichshauptstadt Berlin zu nehmen. Nach einem begeisternden Spiel vor mehr als 7000 Zuschauern, unter ihnen hunderte Schwarz-Rote Schlachtenbummler, die den insgesamt 1100 km langen Weg zurücklegten, verließen am 7. Juni 1958 elf Hombrucher Spieler überglücklich als 2:0-Sieger den Platz in Berlin.

Nach einem 3:1-Erfolg über den norddeutschen Vertreter Bergedorf 85 im Stadion Rote Erde zu Dortmund hieß der Deutsche Fußballmeister 1958 Hombrucher Fußballverein 1909. Von mehr als 22.000 deutschen Amateur-Fußballvereinen der Meister zu sein, erfüllte alle Hombrucher mit berechtigtem Stolz und großer Freude.