Lässt Hannover 96 keine kritischen Mitglieder zu?

Kind im Brunnen

Hannover 96 hat rund 120 Mitgliedsanträge ohne Begründung abgelehnt. Weil die Fans Klubboss Martin Kind kritisch gegenüberstehen? 

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Hannover 96 und seine Anhänger – das ist gelinde gesagt eine schwierige Liebesbeziehung. Seit Jahren liegen Klub und aktive Fans im Clinch, mal geht es um eine Fahne mit dem Konterfei des Serienmörders Fritz Haarmann, mal um Polizeieinsätze, die Schließung des Fanladens, Streichung von Ticketkontingenten, Ausschreitungen und, und und. 

Vor allem geht es aber immer auch um Martin Kind. Kind ist seit 1997 Präsident und Investor des Vereins und man kann ohne Übertreibug sagen: Ohne Kind, der 96 in der Regionalliga übernahm, stünde der Klub nicht da, wo er jetzt ist. Und dennoch ist Kind in der Fanszene eine äußerst umstrittene Person. Das liegt vor allem daran, dass sich Kinds Engagement bei 96 in diesem Jahr zum 20. Mal jährt. Damit greift für ihn eine Ausnahmeregelung, mit der sich die 50+1-Regel umgehen lässt. Kind will dann die restlichen Anteile an der Lizenzfußball-Gesellschaft von Hannover 96 kaufen. Und 50+1 wäre Geschichte.

Möglichkeit, den Antrag abzulehnen

Nicht alle Fans sind damit einvestanden. Bei der Mitgliederversammlung im April wollte eine Opposition die Übernahmepläne Kinds stoppen. Eine Antrag auf Satzungsänderung scheiterte zwar an der erforderlichen Zwei-Drittel-Mehrheit. Allerdings gab ein neuer Antrag Mitgliedern die Möglichkeit, den Übernahmevertrag abzulehnen, wenn dieser von Kind vorgelegt wird.

Hier wird es heikel. Denn wie »Sportbuzzer« nun berichtete, wurden 119 Mitgliedsanträge der Fanbewegung »IG Rote Kurve« ohne Angabe von Gründen abgelehnt. Die IG steht Kinds Übernahmeplänen kritisch gegenüber und reichte die Anträge gesammelt ein. Nach einer zweimonatigen Wartezeit lautete die Antwort des Klubs: »Vielen Dank für Ihren Mitgliedsantrag, den wir erhalten und satzungsgemäß geprüft haben. Wir haben uns dazu entschieden, Ihren Aufnahmeantrag abzulehnen.«

 »Ich dachte, so etwas gibt es nur in Nordkorea«

Öffentlich gemacht hatte diesen Vorgang der Hannoveraner Anwalt Dr. Andreas Hüttl auf Twitter, wo sich schnell eine Debatte über das Vorgehen des Vereins entfachte. »Ich dachte, so etwas gibt es nur in Nordkorea«, hieß es dort beispielweise. Und in der Tat: Mit fairem Umgang und Respekt, wie ihn der Klub selbst vor Kurzem in einem offenen Brief an die Fans forderte, scheint das alles nicht viel zu tun zu haben. Klubboss Kind sagte dem Sportbuzzer: »Wir bestätigen, dass wir im Interesse des Vereins Hannover 96 die Entscheidung getroffen haben, 119 Mitgliedsanträge abzulehnen.«

Eine Begründung ist das nicht, das »Interesse des Vereins« scheint es in diesem Falle zu sein, Kind-kritische Fans aus dem Verein rauszuhalten. Wie diese bei einer Abstimmung über die 50+1-Regelung in Hannover mehrheitlich abstimmen würden, ist vorraussehbar. Ob der Vorgang rechtens ist, bezweifelt zumindest Dr. Andreas Hüttl, der in dem Vorgang ein »möglicherweise undemokratisches Vorgehen« des Klub sieht: »Die Satzung sieht kein Ausschlusskriterium vor.«

Ein PR-Desaster

Ein PR-Desaster ist es in jedem Fall. Gerade fährt der Verein eine Kampagne zur Mitglieder-Gewinnung. Anscheinend aber nur jene, die »im Interesse des Vereins« handeln. Was das ist, definiert wohl genau ein Mann: Martin Kind.