Kuranyi, Mann ohne Torerfolg

»Das kotzt mich an«

Ausgerechnet vor dem Spiel des Jahres gegen Barcelona ist Schalke genervt vom Ergebnis-Fußball in der Bundesliga. Nach dem quälenden 0:0 in Karlsruhe klagte Kevin Kuranyi: »Ich hatte im ganzen Spiel nur eine Torchance.« Kuranyi, Mann ohne TorerfolgImago Der Mannschaftsbus stand schon mit laufendem Motor bereit, doch Kevin Kuranyi hatte vor der Abfahrt aus dem Wildpark noch einiges zu sagen. »Ich weiß nicht, ob wir heute glücklich sein sollen, weil wir auf Platz drei gekommen sind, oder ob wir uns ärgern müssen, dass wir zwei Punkte verschenkt haben.«

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Schalke hatte ein 0:0 beim Karlsruher SC erzielt und konnte mit diesem Ergebnis auf den ersten Blick gut leben: Schließlich war es der Konkurrenz beim Schneckenrennen um die Champions-League-Ränge noch schlechter ergangen, so dass Schalke mit dem einen Punkt sogar wieder auf Platz drei kroch. Trainer Mirko Slomka feierte das als Erfolg: »Wir sind glücklich über einen Punkt - ausnahmsweise einmal.«

Doch so richtig glücklich sah Kevin Kuranyi nicht aus; die 90 Minuten waren für ihn als Torjäger wieder frustrierend verlaufen. Schalke schöpfte seine Kraft fast ausschließlich aus einer mächtigen Defensive - nach vorne lief so gut wie nichts. Auch Kuranyi gestand ein, dass er selbst besser spielen muss, um vielleicht einmal ein Tor zu erzwingen. Doch letztlich war er als Mittelstürmer unter den Augen von Bundestrainer Joachim Löw wieder der ärmste Wicht im Schalker Spiel: Es kamen keine verwertbaren Zuspiele und Flanken.

Deswegen ärgerte sich Kuranyi maßlos über das Schalker Unvermögen, ein Spiel zu gestalten: »Wir müssen besser nach vorne spielen, das müssen wir endlich einmal lernen«, forderte der 25-Jährige und schimpfte: »Es kann nicht sein, dass wir als Stürmer in jedem Spiel nur ein oder zwei Schüsse aufs Tor haben. Ich hatte nur einen Kopfball - das ist bitter, das kotzt mich natürlich an. Aber nicht nur mich, sondern auch meine Stürmerkollegen.« Schalkes Angreifer sind genervt vom Offensivspiel, das so limitiert ist wie der Platz auf der Rückseite einer Briefmarke. Und das vor dem Spiel des Jahres an diesem Dienstagabend im Viertelfinale der Champions League gegen den FC Barcelona.

»...aber es hat nicht geklappt«


Trainer Mirko Slomka kann die Kritik zwar nachvollziehen, aber die Mängel nicht abstellen. In Karlsruhe probierte er mal etwas Neues aus: Weil alle fünf Abwehrspieler fit waren und damit einer zu viel an Bord, stellte er den linken Außenverteidiger Christian Pander einfach ins linke Mittelfeld. Somit bestand die Kreativzentrale in Schalke aus zwei Defensivspielern (Ernst, Jones), einem gelernten Verteidiger (Pander) und einem etatmäßigen Stürmer (Asamoah). Erst, als Slomka nach gut einer Stunde diesen Aufstellungs-Irrtum korrigierte und mit Kobiashvili und Grossmüller auch Mittelfeldspieler einwechselte, erspielte sich Schalke die wenigen Torchancen. »Wir haben etwas versucht«, konstatierte Kuranyi, »aber es hat nicht geklappt.«

Selbst Karlsruhes Trainer Ede Becker stellte fest, dass Schalke in dieser Saison nicht gerade von Spielwitz und Ideenreichtum lebt... 

»Über unsere Spielweise wird viel geredet«, sagte Slomka und gestand: »Wir spielen ja auch nicht gut genug nach vorne, und unsere Stürmer werden auch nicht gut eingesetzt. Aber wir sind Dritter in der Bundesliga und stehen im Viertelfinale der Champions League. Deswegen ist nicht gleich alles gut, aber auch nicht alles schlecht.« Er warb um Verständnis für einen Fußball, der Schalke langsam zu nerven beginnt. Manager Andreas Müller stampfte direkt nach dem Abpfiff in die Kabine. Es gab diesmal keinen Handschlag für den Trainer und auch keine Gratulation, obwohl Schalke jetzt ja Dritter ist. Glücklich sah Müller nicht aus.