KSC-Trainer Markus Kauczinski über Berater und Hakan Calhanoglu

»Ich sehe meinen Job nicht als etwas Besonderes an«

Zurück zu Ihrem Klub: Sie haben mal gesagt, beim KSC könnten Sie sie selbst sein, das sei sehr viel wert im Fußball. Heißt das im Umkehrschluss, Trainer müssten sich im Profigeschäft oft verstellen?
Jeder hat seine Eigenheiten und Macken. Es gibt Trainer, die eine Rolle spielen, Trainer, die glauben, sie könnten mehr erreichen, wenn sie diese oder jene Eigenschaft verbergen. Ich halte das für einen Fehler und könnte so niemals arbeiten. Glücklicherweise kann ich hier beim KSC authentisch sein, das schätze ich sehr.
 
Stimmt es eigentlich, dass Ihnen das Drumherum oft ziemlich auf die Nerven geht, beispielsweise Fragen nach Saisonzielen oder einem bestimmten Tabellenplatz?
(Pause) Ja, manchmal. Aber ich weiß, dass das dazu gehört.
 
Was stört Sie an solchen Fragen?
Offensichtlich ist es heutzutage üblich, alles in ein Schema zu pressen, um die Akteure dann mit den immer gleichen Fragen zu quälen. Wer Fünfter geworden ist, gilt in der Folgesaison als Mitfavorit. Wer dreimal gewinnt, wird gefragt, wann er denn endlich das Ziel Aufstieg ausgibt. Nach beinahe jedem Spieltag wird gefragt, auf welchem Tabellenplatz man denn am Ende wohl landen wird. Allesamt Fragen, die ich nicht beantworten kann, schließlich bin ich kein Wahrsager. Ob wir in den entscheidenden Momenten das Tor treffen, puh, echt keine Ahnung!
 
Und wie laufen diese Frage-Antwort-Spiele nach Schlusspfiff dann ab?
Natürlich spiele ich da mit, was bleibt mir auch anderes übrig? Es wäre doch viel komplizierter, würde ich jedes Mal erklären, weshalb die Frage zum Tabellenplatz unsinnig ist. Dann doch lieber eine kurze und zugleich knackige Antwort nach dem Motto »Wir wollen den Tabellenplatz behaupten« oder so. (Lacht) Jeder sieht doch, wie eng die Manschaften in der Zweiten Liga beieinander sind. Da liegen manchmal drei Punkte zwischen Platz 5 und 13. Der Drang einiger Medien, ständig zu kategorisieren und dabei den Eindruck zu erwecken, alles wäre planbar, ist schon merkwürdig. Ich kann zwar damit leben, muss das deshalb aber nicht gut finden.
 
Herr Kauczinski, die Partie am Freitag gegen den VfL Bochum ist Ihr 100. Pflichtspiel als Cheftrainer des KSC  - können Sie mittlerweile ein bisschen stolz sein auf das bisher Erreichte?
Nee. Wenn ich mir mein bisheriges Leben durch den Kopf gehen lasse, denke ich nur: okay.
 
Ein Scherz?
Nein! Es gibt derart viele Leute, die in in ihrem Beruf Verantwortung tragen und täglich großartige Arbeit abliefern, dass ich es blöd fände, würde ich mich hier hinstellen und über Stolz und persönlichen Erfolg schwadronieren. Dass der Fußball in unserer Gesellschaft einen hohen Stellenwert einnimmt und jeder Schritt medial aufbereitet wird, macht ihn insgesamt ja nicht besser oder wertvoller als andere Berufe. Wenn ich mich mit meiner Frau unterhalte, die in ihrem Job ebenfalls Mitarbeiter führt, erkenne ich viele Parallelen zu meinem Job. Ein Unterschied besteht darin, dass ihr Name nicht in den Zeitungen steht und ihr zudem nicht täglich ein Mikro unter die Nase gehalten wird.
 
Sie sind einer von 36 Trainern, die...
...Aber verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin sehr zufrieden mit meiner Aufgabe als Trainer, ich bin vom ersten Tag an mit Freude und Elan dabei. Der Punkt ist: Ich sehe meinen Job nicht als etwas Besonderes an. Richtig ist aber auch: Wenn ich mich erinnere, wie ich als kleiner Scheißer angefangen habe, nicht wusste, wohin es geht, die ständige Frage »Reicht es oder reicht es nicht?« – ja, dann empfinde ich zwar keinen Stolz, aber schon eine gewisse Genugtuung.