KSC-Fan verstirbt nach Angriff im Park

Fahnen auf Halbmast

Am Samstag wurde ein 35-jähriger KSC-Fan nach dem Heimsieg seiner Mannschaft in einem Park niedergeschlagen. Gestern erlag er im Krankenhaus seinen Verletzungen.

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Die Nachricht trifft die Stadt Karlsruhe hart: Der Mann, der am Samstag nach dem Heimspiel des KSC gegen den FSV Zwickau niedergeschlagen wurde, ist am Montag im Krankenhaus seinen Kopfverletzungen erlegen. Er ist tot. Mit 35 Jahren. Umgekommen nach einem Fußballspiel. Vermutlich umgebracht von einem 21-jährigen Mann, der ohne Vorwarnung und besoffen zugeschlagen haben soll. Durch den Schlag fiel der Mann so hart auf den Kopf, dass er auch im Krankenhaus nicht mehr gerettet werden konnte. Nach dem Angriff versuchte der mutmaßliche Täter durch den Karlsruher Schlosspark zu flüchten, doch Zeugen hielten ihn auf und übergaben ihn an die Polizei. Bereits am Sonntag wurde gegen ihn Haftbefehl erlassen.

Was laut Polizei sicher ist, beide, Täter und Opfer: KSC-Fans. Der KSC meldete sich zu Wort, der Verein sei »schockiert und fassungslos über den Vorfall«. Und auch der »Supporters Karlsruhe 1986 e.V.« wendete sich via Facebook an die Öffentlichkeit, allerdings zu einem Zeitpunkt, als noch nicht bekannt war, dass der Mann verstorben ist: »Mit Erschrecken haben wir die Nachricht über einen friedlichen Fan erhalten, der Opfer sinnloser Gewalt wurde. Statt den Heimsieg mit seinen Freunden zu feiern und abends wieder zu seinen Lieben heimzukehren, liegt er nun im Krankenhaus und kämpft um sein Leben. Wir sind in Gedanken bei diesem Fan, seiner Familie und den Angehörigen.« Weiter heißt es: »Wir stehen für eine laute, bunte und friedliche Fankurve, in der kein Platz für Hass und Gewalt ist.«


»Supporters Karlsruhe 1986 e.V« bei Facebook

Fünf Todesfälle in 35 Jahren

Da bisher so wenig über den Fall bekannt ist, verbietet es sich, über die Gründe der Tat zu spekulieren. Wenn es denn überhaupt welche gibt. So steht lediglich fest: Der 35-jährige Mann wurde im näheren Umfeld eines Fußballspiels umgebracht. Dass sich Teile der aktiven Karlsruher Fanszene so schnell von der Tat distanzieren, ist ein gutes Signal und sollte dazu beitragen, den Fall nicht für hysterische Gewaltdebatten zu missbrauchen. Denn dass ein Fan nach einem Spiel auf einen Fan der selben Gesinnung losging, vermengt den Fall zwar mit dem Sport, lässt als vorerst einzige Erkenntnis aber nur diese zu: Arschlöcher gibt es überall. Auf der Arbeit. In der U-Bahn. Und beim Fußball.

Trotzdem werden durch den Fall zwangsläufig Erinnerungen an Adrian Maleika und Mike Polley wach. Maleika starb 1982 nach einem Hooligan-Überfall, Polley kam 1990 nach Ausschreitungen zwischen Sachsen Leipzig und dem FC Berlin durch Schüsse eines Polizisten ums Leben. Lange galten beide in der Öffentlichkeit als die zwei einzigen Menschen in Deutschland, die im Rahmen eines Fußballspiels aufgrund von Gewalt ihr Leben verloren. Allerdings wurde im September 1988 ein weiterer Fan, Frank Bayer, rund um das Spiel zwischen dem 1.FC Saar und Schalke 04 tödlich verletzt. 2016, mehr als 26 Jahre nach dem Tod von Mike Polley, starb der Magdeburger Fan Hannes S., nachdem er nach einer Auseinandersetzung mit Fans des Halleschen FC aus einem Regionalzug stürzte. Seit gestern gibt es einen weiteren verstorbenen Fan zu beklagen.