Kreisliga-Verein im Pokalspiel gegen Duisburg

Die Schulhofschläger verderben die Laune

Wer richtig Spaß macht, ist Kevin Engels, 24 Jahre. Kantiges Gesicht, Bürstenhaarschnitt. Wäre Rudi Mirtic wirklich Dolph Lundgren, er würde Kevin Engels umgehend als Zeitsoldaten für den nächsten Einsatz gegen das Böse verpflichten. Engels hat die Aufgabe, für ein wenig Verwirrung zu sorgen, wenn die Kollegen den Ball in ihrer Not (also: durchgehend) lang nach vorne schlagen. Engels ist schnell wie ein junger Hund, der wie auf Drogen durch den Park peitscht. Die Duisburger haben richtig zu tun mit ihm. Kann es ein schöneres Kompliment geben? Einmal ist er sogar ganz alleine frei vor dem Tor, doch sein Zweikampf zuvor wird als Foul gewertet. Ein paar Stunden später guckt er immer noch ganz traurig aus seinem Actionfilmgesicht. War auch wirklich schade.

Ein paar Faschos singen tatsächlich das »Türken, Zigeuner und Juden«-Lied

Die Rolle des angesoffenen Verwandten, der die schöne Grillparty mit seinem peinlichen Auftritt zu ruinieren droht, übernehmen heute die Kategorie-C-ler aus Duisburg, Solingen und Düsseldorf. Hinter der Bande vereinen sich viele Tage, Monate, Jahre gelebter Schulhofschlägrigkeit. Ein paar Faschos sind auch da. Einer von ihnen stimmt im Spiel, wirklich mittendrin in einer Masse von Familien, freundlichen Otto-Normal-Verbrauchen und sympathischen Fußball-Rentnern, das Lied mit den »Türken, Zigeuner und Juden« an. Oh, wie wünscht man sich in diesem Moment, dass sich Dolph Lundgren als einer der Rentner getarnt hat und sogleich zum erlösenden Handkantenschlag ausholt. Stattdessen fliegt kurz vor dem Schlusspfiff ein voller Hartplastikbierbecher auf die Laufbahn und verfehlt die Solinger Ersatzbank um wenige Zentimeter.

Wie traurig, dass diese Dumpfbacken den Kreisliga-Fußballern merklich das einmalige Erlebnis versauen. Als sich die Gewalt in der Solinger Ecke nach dem Spiel entlädt und Schulhofschläger gegen andere Schulhofschläger und Polizisten antreten, als die Luft nach Pfefferspray schmeckt, in den Ohren das wütende Polizeischäferhund-Bellen plärrt und man sich zum wiederholten Mal fragt, was Menschen wohl im Leben passiert sein muss, wenn sie sich, statt mit ein paar Freunden Fußball zu gucken und schönen Mädchen zuzuwinken, lieber auf die Fresse hauen. Bei der Sportlerzigarette nach dem Spiel sind die Solinger Fußballer merklich angepisst. Zumal sie es ja hatten kommen sehen. Man kennt sich in der Stadt.



Apropos kommen sehen. Kurz vor Spielende macht die Kunde die Runde, dass die Solinger nach dem Abpfiff den Platz stürmen wollen. Hat der Kumpel von nem Kumpel gerade nem Kumpel gesteckt. Die Ansage: »Gleich nach dem Anpfiff Sachen greifen und ab in die Kabine.« Wird ja immer doller hier. Wir schaffen es unbeschadet in den Kabinenbereich.


Ein Sogenannter am Boden. Das Spiel ist vorbei.

Und dann muss diese Geschichte auslaufen. Mit einem Bier im sogenannten VIP-Bereich des Stadions. Der Fahrt in die Gaststätte, 100 Liter Freibier, Currywurst mit Pommes zahlt jeder selbst. Nun, meine Hochzeit würde ich die Verantwortlichen beim Post SV nicht organisieren lassen. Ein paar letzte Gespräche. Zusammen Videos vom Spiel gucken auf Fupa, Mitfahrgelegenheit durchs weitläufige Solingen bis zum Hotel gleich am Bahnhof. Klar, Einladung nach Berlin steht, reinhauen und dann fällt die Klappe. Und ich in die Falle.

Einen Tag später schreibt Stange eine Nachricht, es geht um die Abseitsfalle, aber da die ja das Highlight des Spiels war, passen diese zweieinhalb Wörter ganz gut: »War geil, ne?« War geil.