Kovacs fehlende Rückendeckung bei den Bayern

Der Sättigungstaucher

Niko Kovac steht bei den Bayern stark unter Druck, dabei macht er aus den Umständen das beste. Die Probleme der Bayern liegen woanders. Und machen Kovac zur ärmsten Sau im Klub.

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Der wahrscheinlich schwerste Job der Welt ist jener des Sättigungstauchers. Sättingungstaucher sind Taucher, die in der Öl- und Gasindustrie wochenlange Bau- und Reparaturarbeiten in hunderten Meter Tiefe erledigen, an Ölplattformen u.ä.. Ihre Zeit außerhalb des Wassers müssen sie in engen Druckkammern verbringen. Sind die Arbeiten in der Tiefe erledigt, folgt eine lange Phase der Dekompression, in der nichts schief laufen sollte, weil der Taucher sonst droht, an den Folgen zu schneller Druckentlastung zu sterben, ja richtiggehend zu platzen. Immerhin: Der Job ist gut bezahlt. 

Auf einem knappen zweiten Platz der schwersten Jobs der Welt liegt jener des Bayern-Trainers. Und man muss Niko Kovac größten Respekt zollen, welche Souveränität er noch ausstrahlt, obwohl sein Stuhl nach zuletzt nur fünf (oft wenig überzeugenden) Siegen aus zehn Pflichtspielen doch arg wackelt. Auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen AEK Athen wirkte Kovac ruhig, gelassen, ja fast ausgeruht. Wie einer, der sich nicht viel vorzuwerfen hat. In einer derart entscheidenden Woche, mit zwei Spielen, die bei entsprechenden Nicht-Ergebnissen durchaus die letzten für Kovac als FCB-Trainer sein könnten, war das zumindest überraschend. 

Das eigentliche Problem liegt jenseits der Trainerposition

Vielleicht aber weiß Kovac auch einfach, dass er sich nicht viel vorzuwerfen hat. Sicher: Ein Taktikfuchs a la Pep Guardiola hätte für das aktuell teils arg statische Spiel der Bayern möglicherweise passendere oder kreativere Lösungen parat. Ein alter Fahrensmann wie Jupp Heynckes möglicherweise mehr natürliche Autorität. Aber das eigentliche Problem der Bayern ist nicht Kovacs Festhalten an seinem taktischen Korsett oder der zu dünne Kader. Das eigentliche Problem liegt jenseits der Trainerposition.

Denn beim FC Bayern geht es derzeit so chaotisch zu, dass nach Jahren der Dominanz der gute alte Begriff »FC Hollywood« wieder bemüht wird. Der Klub taumelt von Skandal zu Skandälchen, selten gab der Rekordmeister ein so schlechtes Bild ab. Hier eine peinliche Pressekonferenz, in der die Medien angegangen werden. Dort ein unbedachter Instagram-Post einer Spielerfrau, der sich zu einem halben Erdbeben auswachsen kann. Zuletzt kamen die Enthüllungen des »Spiegel« zur von den Bayern federführend mitgeplanten »Super League« hinzu. Dann wieder war im »kicker« von einer Spielerfront gegen den Trainer zu lesen, was von Mats Hummels per kryptischer Twitter-Nachricht zwar dementiert wurde, die Szenerie aber natürlich keineswegs beruhigte.