Kontrollen vor dem Spiel Schalke-PSG

Bis auf die Unterhose

Bei Leibesvisitationen mussten sich die Fans von Paris vor dem Spiel teilweise komplett entkleiden. Auf Kritik reagierte Schalke mit einer Stellungnahme. Die Diskussion über die Grenzen von Kontrollen ist damit nicht beendet. Kontrollen vor dem Spiel Schalke-PSG Im Vorfeld der UEFA-Cup-Partie zwischen Schalke 04 und Paris St.Germain vergangene Woche kam es zu ungewöhnlich harschen Kontrollen der Gästefans. Vor dem Stadion hatte Schalke in Absprache mit der deutschen Polizei ein Zelt errichtet, in dem sich die Fans vor den Augen der Sicherheitskräfte komplett entkleiden mussten. Johannes Mäling, der das Spiel im Gästeblock verfolgen wollte, betrat als einer der ersten Fans das Zelt. »Dort habe ich noch ein Foto gemacht, woraufhin mir meine Kamera abgenommen und die Bilder kontrolliert wurden. Nach der Kontrolle der Fotos musste ich mich dann Stück für Stück entkleiden, sogar die Unterhose ausziehen.«

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Vor zwischenzeitlich vier Ordnern musste Mäling sich nach eigenen Angaben in einer der aufgestellten Kabinen komplett entkleiden. Erst nach dieser gründlichen Leibesvisitation und einem Alkoholtest durfte Mäling in den Gästeblock. Von den ungewöhnlich drastischen Vorgängen ist er immer noch geschockt. »Zunächst war ich wirklich fassungslos. Wobei man in Deutschland von einem solchen Vorgehen zumindest schon einmal gehört hat. Die Pariser Fans waren aber noch erschrockener über die Maßnahmen.«

Aus Protest weigerte sich laut Fanberichten deshalb der Großteil des Pariser Anhangs, das Stadion zu betreten. Vereinzelt soll es zu kleineren Auseinandersetzung vor dem Untersuchungszelt gekommen sein. Erst nach langen Diskussionen durften die Pariser Fans nach einer gewöhnlichen Kontrolle durch Abtasten das Stadion betreten. Teilweise soll dann aber sogar gänzlich auf die Untersuchung nach verbotenen Gegenständen verzichtet worden sein. Tatsächlich entzündeten die französischen Fans im Laufe des Spiels einige bengalische Feuer in ihrem Block.

Nachdem die Schalker Anhänger unter anderem durch zwei Banner beim Bundesligaspiel gegen Arminia Bielefeld scharfe Kritik am Vorgehen des Vereins geübt haben, hat Schalke 04 inzwischen mit einer Stellungnahme reagiert. Volker Fürderer, unter anderem Sicherheitsbeauftragter des FC Schalke 04, begründet darin das harte Vorgehen. »Das Spiel gegen PSG ist von Anfang an von der UEFA und den Sicherheitsbehören als Hochrisikospiel eingestuft worden.« In der Vergangenheit seien die Fans von Paris schon häufig durch Gewaltbereitschaft und den »massiven Einsatz von Pyrotechnik« aufgefallen.

Eine »beschissene Situation« für Schalke 04

»Es gab also genug Grund für uns, richtig besorgt zu sein, zumal sich die Pariser Fans offenbar auch mit gewaltbereiten deutschen Fans anderer Bundesligisten für dieses Spiel verbündet hatten«, wird Fürderer zitiert. Zur Erklärung: Zwischen den Fans von PSG und den Ultras des 1.FC Köln soll eine Fanfreundschaft bestehen. Trotz dieser Zusammenhänge stellt sich für Fans wie Johannes Mäling trotzdem die Frage der Verhältnismäßigkeit. »Ob eine Gefahr durch Pyrotechnik bestand kann ich nicht beurteilen. Man sollte sich bei der Gefahrenabwehr aber immer die Frage stellen, wie weit man bei Kontrollen der Fans gehen darf«, sagt er. Besonders die vielen Moslems unter den Pariser Fans hätten sich durch die Kontrollen extrem unwürdig behandelt gefühlt.

Sicherheitsbeauftragter Fürderer bezeichnet die Maßnahmen in der Stellungnahme dennoch als »richtig, denn sie haben schließlich den gewünschten Erfolg gebracht.« Insgesamt seien den Pariser Fans 172 Gegenstände, darunter 29 Messer und vier Gasflaschen, abgenommen worden. Er sagt aber auch: »Um das mal klarzustellen: Wir machen solche Kontrollen überhaupt nicht gerne. Wir haben ein richtig blödes Gefühl dabei, denn eigentlich wollen wir gute, vorbildliche Gastgeber sein.« Solche Kontrollen wie vergangene Woche seien »eine beschissene Situation« für Schalke 04, bei der man fast nur verlieren könne. Es habe sich zudem nur um eine »Stichprobe« gehandelt. Rund 1000 Fans wurden nicht so rigoros kontrolliert.

Vor allem in Frankreich werden die Maßnahmen trotzdem sicherlich kaum zu einem Schalker Imagegewinn bei den Fans beitragen. Johannes Mäling hatte im direkten Gespräch im Stadion die Möglichkeit, ihre Meinung herauszufinden. Er berichtet: »Die Pariser Anhänger waren entsetzt. Als willkommener Gast haben sie sich bestimmt nicht gefühlt.« Innerhalb Deutschlands könnten die Vorfälle derweil eine nach Meinung vieler längst überfällige Debatte über die Grenzen von Stadionkontrollen lostreten. Die Frage ob der Zweck die Mittel heiligt, wird sich Schalke dabei noch länger gefallen lassen müssen.