Komödienstadl

Brot und Spiele

Lachen ist gesund. Und es wurde viel gelacht auf der Jahreshauptversammlung des Ballspielvereins Borussia Dortmund 1909 e.V. Doch dieses Lachen war bitteren, sarkastischen und teilweise zynischen Ursprungs.
Weinen ist angeblich auch gesund. Und da ist uns gestern eindeutig mehr nach gewesen. „Ein Leben lang mit Olaf Suplicki Hand in Hand“. Mitten hinein in eine zwei Stunden andauernde gegenseitige Lobhudelei und Selbstbeweihräucherung präsentierte unser werter (DFL-)Präsident diesen Unsatz des Abends. Zuvor hatte man sich gegenseitig die Schleimbeutel in die Hand gedrückt und nur jene, die Kritik an System, Vorstand oder gar dem Herrn Präsidenten übten, wurden aus dieser scheinbar abgesprochenen Veranstaltung quasi per Edikt ausgeschlossen.

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Gelacht wird schließlich im Gleichschritt und nicht jeder so wie er mag.
Es wurde einem wirklich alles geboten, was eine gute Komödie ausmacht. Realsatire vom bittersten gemischt mit rosa Schweinchen und ausgeschnittenen Fotos des Messias Aki Watzke. Dazu ein Präsident, der in seiner Rede der emotionalen Rede des Geschäftsführers wohl aus Versehen „billigen Populismus“ unterstellte. Irgendwie passte sich aber auch dieser Fauxpas nahtlos in die Veranstaltung ein. Denn es sollte dem Volk ja an nix mangeln. Früher in Rom waren es „Brot und Spiele“, heute nennt sich das Ganze „Erbsensuppe und JHV“.

Und das Volk seinerseits nahm dieses Angebot dankend an und klatschte begeistert Beifall dafür. Als die Mannschaft den Saal betrat, übertönte der Unmut der Anwesenden dann doch die vereinzelten Klatscher. Doch geschickt wie man in der Chefetage mit den Emotionen der Anhänger jongliert, wurde die Vertragsverlängerung mit Florian Kringe aus dem Hut gezaubert. Eine schöne Sache im richtigen Moment präsentiert, bewirkt doch Wunder. Die Rede von Herrn Watzke war zwar mit dem Appell an die Mannschaft bestückt, sie solle sich bewusst werden, was es bedeutet für Borussia Dortmund zu spielen. Doch was es wirklich bedeutet, das weiß man doch mittlerweile selbst als treuer Anhänger dieses Vereins nicht mehr. Wie soll einem Vertragsspieler etwas beigebracht werden, von dem niemand weiß, was es überhaupt beinhaltet? Und wie soll ein Spieler an diese Informationen gelangen, wenn nicht über die Vereinsoberen? Sie werfen den Spielern ergo ihre eigenen Verfehlungen vor. Wunderbar.

Aber natürlich ist die Mannschaft nicht allein Schuld an der momentanen Situation, schließlich gibt es immer noch Medien im Allgemeinen und das Internet im Besonderen. Worin die Verfehlung der Medien jetzt so ganz genau besteht, wusste anscheinend selbst Herr Watzke nicht so hundertprozentig genau und so blieb es bei nebulösen Andeutungen von aus dem Zusammenhang gerissenen Statements und unfairer Berichterstattung. Natürlich ist es höchst unfair, desaströse Vorstellungen auf dem Platz auch als solche darzustellen. Ebenso unfair ist es, dass man nicht einmal mehr in der privaten Abgeschiedenheit von Restaurants oder Flughafen Abflughallen ein lauteres Wort miteinander wechseln kann, ohne dass darüber sofort berichtet wird.

Pfui, pfui und nochmals Pfui. Das Internet ist da gleich noch eine Spur schlimmer, weil dort der Kritik Tür und Tor geöffnet wird – und Kritik kann nun wirklich niemand wollen. Das mögen die Autoren dieser Tragikkomödie nicht so gern und das wird auch eindringlich klar gemacht – und zwar rechtzeitig, bevor sie überhaupt auf der JHV geäußert werden kann. So rein präventiv.

Dann doch lieber Wortmeldungen, in denen ein Denkmal für den Vereinspräsidenten gefordert wird. Son bisschen Schmalz fürs heimelige Borussenherz, verpasst dem Trauerspiel doch erst die richtige Würze. Für soviel Ehrung gibt man sich dann auf dem Podium auch gerne mal generös und lobt die fruchtbare und sachliche Diskussion. Tja, da entfällt einem doch glatt die richtige Bezeichnung für einen Meinungsaustausch.
Auch die zweite Mannschaft, die der Handball-Damen, betrat die Szenerie, und der Präsident höchstselbst ließ es sich nicht nehmen, die Spielerinnen zu begrüßen, die "nicht nur gut Handball spielen, sondern auch gut aussehen". Solch ein Altherren-Chauvinismus durfte natürlich nicht fehlen, die Schamgrenze an diesem Abend lag eben tief.

Der einzige Antrag auf  Satzungsänderung, der die Basisdemokratie vielleicht wirklich gestärkt hätte, wurde dann auch abgekanzelt und der Rückzug von Herrn Petzold tat wohl Not, wollte er sein Gesicht wahren. Das Abkanzeln übernahmen die herbeigeeilten Co- und Hilfsautoren dieser Inszenierung und argumentierten überaus einleuchtend, dass diese Basisdemokratie doch gar nicht notwendig sei –- schließlich sei man bis jetzt auch ohne ganz gut gefahren. Die Pointe saß. Trauriger Abschluss.
Bleibt noch, den positivsten Aspekt des Abends hervorzuheben: Der westfälische Erbseneintopf war wieder mal ein Genuss. Hätte es ihn vorher gegeben, er wäre dem ein oder anderen Anwesenden wohl wieder hoch gekommen.