Kommentar zur Programmauswahl der ARD

Fetten Gänsen den Arsch schmieren

Die öffentlich-rechtlichen Sender werden immer mehr zum Klub-TV des FC Bayern München. Das muss aufhören. 

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Der Pokal hat seine eigenen Gesetze, heißt es. Sportlich mag das noch stimmen. Oder wer hätte damit gerechnet, dass die Sportfreunde Lotte gegen Bayer Leverkusen, dass Sandhausen in Freiburg oder der HSV souverän in Halle gewinnt?

In anderer Hinsicht allerdings ist der Pokal ebenso vorhersehbare Einheitsware wie sonst auch — im Free-TV werden immer dieselben Mannschaften gezeigt. Im Zweifel immer die Bayern.

Mit der Fantasie eines Busfahrplans

So auch heute, in der zweiten Runde des DFB-Pokals. Aus 16 Paarungen hätte die übertragende ARD wählen können. Darunter durchaus spannende Partien: St. Pauli gegen Hertha, Nürnberg gegen Schalke oder Dortmund gegen Union Berlin.

Doch die ARD entschied sich für Bayern gegen Augsburg. Und bewies damit die Fantasie eines Busfahrplans. Es ist ein generelles Problem, das für die Gesamtheit der öffentlich-rechtlichen Programmplanung gilt. 

Signalroter Faden der Ödnis

Denn das ZDF ist keinen Deut besser. Da spielte vergangene Woche Borussia Mönchengladbach im Celtic Park zu Glasgow. Für die Fans der Fohlenelf das absolute Hochamt dieser Gruppenphase. Noch sehnsüchtiger erwartet als die Spiele gegen die europäischen Giganten aus Barcelona oder Manchester City. Und welches Spiel überträgt das ZDF? Klar, Bayern München gegen PSV Eindhoven. Nicht nur sportlich die wesentlich reizlosere Paarung.

Ein Muster, das sich wie ein signalroter Faden der Ödnis durch das Programm zieht. An den bisherigen drei Champions League-Spieltagen dieser Saison zeigte das ZDF zwei Mal die Bayern (bei Atletico Madrid und eben gegen Eindhoven) und einmal den BVB (in Warschau).

Fetten Gänsen den Arsch schmieren

Und selbst wenn das Münchner Gastspiel in Madrid durchaus als vorzeigbar gelten darf, wäre das zeitgleich stattfindende Spiel der Gladbacher gegen den FC Barcelona nicht die bessere Wahl gewesen, allein schon der Abwechslung halber? Mit dem Zweiten sieht man vielleicht besser. Aber immer auch dasselbe.

Es mag sein, dass die Quoten den Machern von ARD und ZDF sogar Recht geben. Aber das kann und darf nicht das ausschlaggebende Argument für durch Gebühren finanziertes Fernsehen sein. Der Rundfunkstaatsvertrag definiert den Anspruch an die Sender wie folgt: »Der Rundfunk soll die freie Meinungsbildung und kulturelle Vielfalt gewährleisten.« Zumindest in Sachen Fußball-Übertragung kann von Vielfalt wahrlich keine Rede sein.

Oder wie wusste schon Rudi Assauer im Winter 2004: »Irgendwann verstehst du die Sender nicht mehr. Sollen sie doch ein Bayern-Studio aufmachen und fetten Gänsen den Arsch schmieren.«