Kommentar zum Rücktritt von Thomas Schaaf

Biedermann und die Brandstifter

Thomas Schaaf schmeißt als Trainer der Eintracht hin. Die Art und Weise seiner Demission ist unwürdig. Die Trennung aber richtig, auch für den Verein.

imago

Wer sich in den vergangenen Wochen mit der Frankfurter Sportpresse beschäftigte, konnte den Eindruck gewinnen, dass die Eintracht kurz vor dem totalen Absturz stünde. »Genervte Spieler«, »fehlender Rückhalt«, »es wäre keine Überraschung, wenn die Frankfurter Eintracht und ihr Cheftrainer nach dieser Saison getrennte Wege gehen«, orakelte die »FR« bereits vor Wochen, für viele überraschend.

Nun behielt die »FR« Recht, an diesem Dienstag gab Schaaf tatsächlich seinen Rücktritt bekannt. Zermürbt von der öffentlichen Debatte, die ihn, wie Klubchef Heribert Bruchhagen auf einer Pressekonferenz sagte, »enttäuscht« habe. In seiner Stellungnahme zum Rücktritt sprach Schaaf von »in der Öffentlichkeit getätigten Aussagen« und »unglaublichen und nicht nachvollziehbaren Anschuldigungen und Unterstellungen in den Medien«.

War Schaaf überhaupt der richtige Trainer?

Wegen einer verzerrten Darstellung in den Medien ist noch kein Trainer zurückgetreten, Schaafs Spitze richtete sich also vor allem gegen jene Brandstifter, die aus den eigenen Reihen heraus die Trainerdiskussion via Presse stetig befeuert hatten. Mit seiner Empörung darüber hat Schaaf völlig Recht. Ein Trainer mit seiner Reputation verdient einen anderen Umgang, selbst wenn es menschlich oder fachlich nicht passen sollte. Vor allem aber haben die Störfeuer der vergangenen Wochen eines verhindert, was wichtig gewesen wäre: Eine sachliche Diskussion darüber, ob Thomas Schaaf der richtige Trainer ist.

Denn die Wahrheit ist auch: Schaaf mag die Ziele der Eintracht, die unter Bruchhagen traditionell auf Kniehöhe formuliert werden, erreicht haben. Für die SGE wäre in dieser Saison aber viel mehr drin gewesen. Schaaf hat es über ein ganzes Jahr nicht geschafft, der Mannschaft ein schlüssiges Defensivkonzept an die Hand zu geben, 62 Gegentore in 34 Spielen sind die Bilanz eines Absteigers. Auch spielerisch war keine Weiterentwicklung zu sehen, viele Spiele gewann die Eintracht schlicht, weil Alex Meier in überragender Form war.