Kommentar zum Abschied von Guardiola

Wer war Pep G.?

Guardiola wird den FC Bayern verlassen und niemand ist darüber richtig traurig. Warum ist das so? Und warum ist das für die Bundesliga gut?

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Nein, einer wird nicht froh sein. Vermutlich wird Hermann Gerland sogar traurig sein. Denn niemand in München hat Pep Guardiola in den vergangenen zweieinhalb Jahren so gepriesen wie der knurrige Malocher aus dem Ruhrpott. »Pep ist ein Genie!», sagte Gerland nicht nur einmal, er sagte es hundertmal. Und weil Guardiolas Assistenztrainer beileibe niemand ist, der sich leicht beeindrucken oder gar blenden ließe, wird das vermutlich sogar stimmen.

Der Mann ist ein Genie. Und hat den Fußball verändert. Aber!

Ja, Pep Guardiola ist schon heute einer der ganz großen Trainervisionäre. Er hat den Fußball in seine Post-System-Phase geführt. Bei ihm gibt es keinen Rechtsverteidiger mehr, sondern einen Spieler, der in etwa auf der Position eines rechten Verteidigers für jedes Spiel ein neues Bündel mitunter gänzlich verschiedener Aufgaben zugewiesen bekommt. In München lieferte Guardiola den Beweis, dass dieser totale Fußball nicht nur in Barcelona geht. Das hat den Fußball verändert, weil sich das viele Trainer abgeschaut haben.

Aber wenn sie ein Genie verlieren, warum ist an diesem Wochenende unter den Fans des FC Bayern nicht das große Heulen ausgebrochen?

Der Fußball, den ihr Klub spielte, war früher vielleicht mal hochnäsig, arrogant oder überheblich. Er war oft kunstlos auf Erfolg gepolt, aber er war nie kalt. Unter diesem Trainer, der aus endlosen Stunden von Videoanalyse mit einer auch für die nächste Partie passgerechten Spielidee kam, jedoch sank die Temperatur. Der FC Bayern spielt heute faszinierenden Fußball, der ein intellektuelles Vergnügen ist, aber das Herz nicht wärmt.

Die Meisterschaft mit »den Händen in der Tasche«

Vermutlich wäre das den meisten Fans sogar egal, wenn Guardiola erfolgreich wäre. Der Gewinn der Deutschen Meisterschaft oder des Pokals bemisst das aber nicht mehr, zu groß ist der wirtschaftliche Vorsprung. Ein Klub wie die Bayern gewinnt die Meisterschaft »mit den Händen in der Tasche«, hat Carlo Ancelotti neulich mal gesagt hat. Erfolg und Misserfolg misst sich an der Champions League und hier führte der ganze Super-Fußball bislang nicht zum Titel, sondern zu erinnerungswürdigen Niederlagen.