Kommentar zu Klopps vernichtendem Arbeitszeugnis

»Stets bemüht«

Beim BVB wird wild spekuliert: Wer geht wohin? Dabei könnte es den Wechselwilligen schwer fallen, einen neuen Arbeitgeber zu finden – bei der Bewertung ihres Chefs!

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Hummels zu Manchester United? Gündogan zum Stadtrivalen City? Immobile zum Liverpool FC? Noch ist unklar, wer den BVB am Saisonende verlässt und wohin er denn geht. Die Spielervermittler, sie schwärmen bereits aus wie ein Bienenvolk im Frühsommer.

Wäre es im Fußballgeschäft jedoch üblich, dass sich der potenzielle neue Arbeitgeber ein Zeugnis des alten zeigen ließe, würde so mancher Borusse in Zukunft nicht übers Kaffeekochen, Lochen und Kopieren hinauskommen. Statt Champions-Leage-Ruhm droht eine Praktikantenexistenz in den tageslichtlosen Geschäftsstellen des europäischen Mittelmaßes.



Aktionistisch, aber inkompetent

»Wir waren stets bemüht«, schrieb ihr Noch-Chef Jürgen Klopp seinen Spielern nach dem 1:3 gegen Gladbach ins Zeugnis. Wer sich mit dem verbrämten Jargon auskennt, der in solchen Leistungsbewertungen bemüht wird, der weiß: Das entspricht der Schulnote 6. Frei übersetzt: Die Bemühungen waren fruchtlos, der Arbeitnehmer also bestenfalls aktionistisch, aber unterm Strich inkompetent.

Ein Chef, der solche Zeugnisse ausstellt, muss froh sein, dass er die Nichtsnutze los wird. Er will aber zugleich seine Amtskollegen davor bewahren, sie nichtsahnend einzustellen. Er warnt: Diese Spieler werden dein Team nicht verstärken, Herr Kollege, ich spreche da aus Erfahrung.


Ciro schießt, Kloppo schmunzelt


Immerhin redet Klopp noch von »wir«. So weit mag er sich dann doch nicht von seiner Mannschaft distanzieren, als dass er sich selbst explizit eine bessere Note gäbe. Eine Reminiszenz an den kumpelhaften Teamgeist, der mal zwischen ihm und seiner Mannschaft herrschte. Eine Szene aus der 87. Minute der Partie lässt tiefer blicken: Der stets bemühte Immobile schießt weit über das Gladbacher Tor – und Klopp schmunzelt an der Seitenlinie. Wie ein Tischlermeister, der nun endgültig keine Lust mehr hat, seinem Lehrling zu erklären, wie herum er den Hobel halten muss. Lass gut sein, Junge. Geh nach Hause.

In einschlägigen Ratgebern wird Arbeitnehmern dringend empfohlen, gegen die Formulierung »stets bemüht« vorzugehen, wenn sie in ihrer Branche überhaupt noch Fuß fassen möchten. Der Gang zum Fachanwalt dürfte für die BVB-Profis keine Option sein, der Betriebs- resp. Mannschaftsrat ist in diesem Fall selbst betroffen. Da bleibt nur: Noch mal mit dem Chef sprechen, sich einsichtig zeigen, Besserung geloben, sich reinhängen, auch andere mitziehen, den Teamgeist wieder stärken.

Aber allzu sehr sollten die Borussen sich auch nicht »um ein gutes Betriebsklima bemühen«. Diese Bewertung erhält nämlich, wer die besten Witze auf der Pfanne hat, aber sonst zu nichts zu gebrauchen ist.