Kommentar: Ribéry und die Typfrage

Seltene Ausnahme

Die »Bild« hingegen pressiert: 

»Statt nach den widerlichen Beleidigungen mit einer Suspendierung ein angemessenes Zeichen für Werte und Anstand zu setzen, versucht sich die Bayern-Führung mit einer ›sehr hohen Geldstrafe‹ (Salihamidzic) rauszumogeln.«

Man muss es nicht lustig finden



Viele weitere Medien tun es den beiden Zeitungen gleich und ereifern sich darüber, wie unmöglich sowohl das Verhalten Ribérys als auch die als Geldstrafe völlig unzureichende Sanktion gegen ihn sei.



Zum Glück gibt es auch Ausnahmen. Eine ruhmreiche bildet die ohnehin ruhmreiche Anja Rützel bei »Spiegel Online« ab, die sich vor allem mächtig freut über das Video und befindet:



»Im Steakvideo sehen wir, das ist der komödiantische Teil, Franck Ribéry in einem überlangen Hemdchen, dessen Saum ihn praktischerweise wie ein Schrittlätzchen bedeckt, und wir sehen vor allem den kurdischtürkischen Fleischer Nusret Gökçe, der wegen seiner exaltierten Würztechnik in der Welt der Memes auch als »Salt Bae« bekannt ist: Wie eine zoolanderhafte Karikatur tranchiert er das güldene Steak in maximal affektierten Posen, schneidet in Spreizhocke, fächert theatralisch die geschnetzelten Partien auf - wer sich schon stille schämt, wenn beim überkandidelten Italiener mit der übergroßen Pfeffermühle mondänes Leben simuliert wird, schwitzt allein beim Betrachten des Videos großflächige Peinflecken in sein Hemd.«

Ribéry ist zu bedauern



Man muss das nicht lustig finden, wie Anja Rützel das tut. Man könnte sich stattdessen auch an der poetischen Sprengkraft von Ribèrys Beleidigungen erfreuen, denn, und vielleicht bilden wir hier auch nur die Ausnahme, aber: »Fick Deinen Stammbaum«, das ist schon auch progressiv. 



Man könnte ihn auch erneut bedauern, diesen Franck Ribéry. Zum Beispiel dafür, dass er das, was und wie es dieser kurdischtürkische Fleischer Nusret Gökçe da serviert, als kulinarische Extravaganz versteht. Eine Extravaganz, von der es zu Zeiten, in denen Gökçe noch versuchte, in New York Fuß zu fassen, gerne mal hieß: »Zu teuer. Überkocht. Abzocke. Aber ganz nettes Theater.« 



Nur echauffieren sollte man sich vielleicht nicht allzu sehr. Vor allem dann, wenn er schon lauert, der Atemzug, mit dem wieder nach Typen schreit.