Kolumbien bei der Copa

Die Spieler setzen sich für ihr Land ein

Trotz der individuellen Fähigkeiten haben die Kolumbianer allen anderen Mannschaften eines voraus. Sie funktionieren vor allem als Team und bringen so erst ihre Stars zum Leuchten. Man weiß, wie abhängig Argentinien von Messi und Brasilien von Neymar ist. Tauchen die Stars ab, versackt auch ihr Team häufig im Nirwana der Ideenlosigkeit. Bei James Rodríguez zum Beispiel und Kolumbien ist es genau umgekehrt. Der 23-jährige ist vor allem dann gut, wenn das Kollektiv brilliert. Wenn dieses Kollektiv so gut arbeitet wie beim Sieg gegen Brasilien, dann sollte am heutigen Sonntag (Anpfiff: 22 Uhr) der Einzug ins Viertelfinale der Copa América beim letzten Gruppenspiel gegen Peru sichergestellt werden.
 
40.000 Auswärtsfans

Und es gibt da noch eine Besonderheit bei dieser bemerkenswerten Nationalmannschaft. Es ist die enge Wechselwirkung zwischen Team, der Situation des Landes und den Anhängern. Wie auch schon in Brasilien begleiten rund 40.000 Kolumbianer die Auftritte der Nationalmannschaft in Chile. Jedes Match ist ein Heimspiel vor Rängen ganz in gelb. Die Menschen reisen auch deshalb so gerne mit ihrem Team, weil sie das Gefühl haben, dass die elf Spieler unten auf dem Rasen sich nicht nur für ihren Erfolg und ihren Geldbeutel, sondern auch für ihr Land einsetzen.

Das Trikot der Nationalmannschaft ziert den Sinnspruch: »Unidos por un país«. »Vereint für ein Land«. Fast jeder der Nationalspieler um Juan Cuadrado oder Radamel Falcao hat eigene Stiftungen, mit denen er Kinder und Jugendliche in schwierigen Verhältnissen unterstützt. James Rodríguez forderte seine Landsleute während der WM in Brasilien dazu auf, zur Wahl zu gehen und für Frieden zu stimmen.
 
Der gemeinsame Nenner

Der Fußball ist der kleinste gemeinsame Nenner, auf denen sich rechts und links, Guerilla und Regierung, arm und reich in Kolumbien einigen können. Und er ist vor allem Anlass zur Freude und zum Feiern in dem Land, das seit mehr als 50 Jahren unter einem Bürgerkrieg leidet, der bis heute mehr als 220.000 Menschen das Leben gekostet hat.