Kolumbien bei der Copa

Die Nachfolger von El Pipe und El Loco

»Kolumbien steht jetzt hinter keiner Mannschaft mehr zurück«, sagte Torhüter David Ospina dieser Tage. Dabei ist der Keeper eher einer der unterschätzten Entdeckungen in diesem neuen kolumbianischen Team voller aufregender Kreativkräfte. Ospina wechselte nach der WM in Brasilien vom beschaulichen OGC Nizza nach England und hat es beim FC Arsenal zum Stammtorhüter im Team von Mesut Özil und Per Mertesacker gebracht.
 
Befreundet mit Pablo Escobar

Aber Ospina repräsentiert genauso dieses neue junge kolumbianische Team, das erstmals mit Legionären aus den großen Ligen in England, Spanien, Portugal und Italien gespickt ist. Die aktuelle ist die erste goldene Generation nach den verrückten Helden der 1990er um den eleganten Regisseur Carlos Valderrama alias »El Pibe«, der Pässe wie mit dem Zirkel schlug und eine Mähne wie Shakira trug. Oder Torhüter René Higuita, »El Loco« genannt, der Verrückte. Er wehrte Schüsse schon mal im Flug mit der Hacke ab – zum Entzücken der Zuschauer und dem Entsetzen der Trainer. Higuita war auch außerhalb des Spielfelds gerne riskant unterwegs. Noch heute rühmt er sich seiner Freundschaft mit dem früheren Drogenbaron Pablo Escobar.
 
Vergleichen mit der Auswahl von heute wirken diese kolumbianischen Kicker von damals wie Helden aus einer der lateinamerikanischen Telenovelas. Charismatisch, exzentrisch, erfolglos. Die Helden von heute um James, Ospina, Radamel Falcao und Juan Cuadrado sind ein ganzes Stück braver, aber fokussiert und überaus erfolgreich. Bis auf Falcao bei Manchester United und James Rodríguez bei Real Madrid haben alle wichtigen Spieler Kolumbiens dieses Jahr nationale oder internationale Titel mit ihren Vereins-Mannschaften gewonnen.
 
In der Offensive hat Kolumbien Weltklassespieler

Ausgerechnet Falcao und James. Auf den beiden Offensivakteuren ruhen die Hoffnungen eines ganzen Landes, denn sie verstehen sich fast blind seit den Tagen, als beide beim FC Porto und später beim AS Monaco, dem Verein des russischen Düngemittelmilliardärs Dmitri Rybolowlew, kickten.
 
Falcao, Volksheld mit Messi-Status zwischen Anden und Pazifik, ist nach seiner Knieverletzung von vor der WM noch nicht wieder in Tritt und hatte bei Louis van Gaal in Manchester vergangene Saison nie eine Chance. Aber im Nationaltrikot ist er nicht nur gesetzt, sondern auch Kapitän. Bisher bleibt er aber auch in Chile unter seiner Form von früher. Aber wenn er es nicht richtet, dann kann Pekerman auf Carlos Bacca vom FC Sevilla, Jackson Martínez vom FC Porto, Victor Ibarbo von AS Rom oder Teófilo Gutiérrez (River Plate Buenos Aires) zurückgreifen. Adrián Ramos von Borussia Dortmund verpasst diese Copa verletzungsbedingt. Im Sturm verfügt Kolumbien über eine Leistungsdichte an Weltklassespielern, die man sonst eigentlich nur in Argentinien findet.