Königsblau ein wenig mau

Totales Chaos...

Wir wollen ja nicht alles schlechtreden. Trotzdem ist Schalke in diesen Tagen kein Hort der Ruhe und Nächstenliebe. In der Bundesliga die erste Niederlage kassiert, im UEFA-Cup zum 1:0 gequält. Und dann ist auch noch Gerald Asamoah unzufrieden und wollte Mirko Slomka öffentlich anschwärzen. Sagt zumindest irgendjemand... Imago Beim FC Schalke 04 läuft momentan alles ein bisschen anders, als es der geneigte Anhänger der „Königsblauen“ gerne hätte.
Der wird momentan nämlich nicht genau wissen, was er denn nun empfinden soll: Freude über das 1:0 im UEFA-Cup-Hinspiel gegen Nancy? Ärger über die 0:2-Schlappe bei Hertha BSC gestern? Unverständnis über Gerald Asamoah?
Man hat’s nicht leicht...
Doch von Anfang an: Als der dänische Schiedsrichter mit dem vollmundigen Namen Nicolai Vollquartz am Donnerstag Abend gegen 20.45 Uhr die UEFA-Cup-Partie zwischen Schalke und dem AS Nancy mittels eines entschlossenen Pfiffs beendete, hatten Spieler, Trainer, Fans, Betreuer und wer noch so in der Veltins-Arena war, ein kräftezehrendes Spiel hinter sich.
Ob es gut für das körperliche Wohlbefinden der Schalke-Fans war, dass Sören Larsen erst in der 86.Minute den Endstand einköpfte, sei dahingestellt. Für das seelische Wohlbefinden aller Beteiligten (außer den Franzosen) jedoch war Larsens Tor Balsam. Denn die Knappen taten sich gegen die mauernden Kicker aus Lothringen äußerst schwer, hatten erst in Minute 43 die erste Torchance. Man konnte zeitweise fast Mitleid empfinden mit den Schalkern, denn so sehr sie auch wollten – sie konnten einfach nicht. Selbst als Mirko Slomka Mitte des zweiten Spielabschnitts voll auf Offensive setzte und Halil Altintop und Sören Larsen brachte, blieb der umgehende Erfolg aus. Bis vier Minuten vor Schluß...
Der letzte deutsche UEFA-Cup-Sieger (1997) geht damit mit einer etwas kleineren Last auf den Schultern ins Rückspiel gegen die Betonmischer aus Frankreich.
Ob Gerald Asamoah dann dabei sein wird, ist fraglich. Der Nationalspieler, in den ersten drei Bundesligaspielen drei Mal nur eingewechselt (insgesamt 54 Minuten Spielzeit), ließ im Mannschaftskreis offenbar verlauten, er werde Trainer Mirko Slomka „öffentlich Probleme machen“, wenn sich an seinem Status als Bankdrücker nichts ändere.
Über welchen Umweg auch immer wurde dieser Satz auch Übungsleiter Slomka zugetragen, der reagierte prompter als Zidane gegen Materazzi und warf den dienstältesten Schalker am Samstag vorerst aus dem Kader.
Und machte am Sonntag aus seinem gebrochenen Herzen keine Mördergrube: „Ich habe Gerald schon als Jugendspieler gefördert, habe ihn immer unterstützt. Daß er jetzt so etwas durchzieht, ist ein Vertrauensbruch. Ich bin aber gesprächsbereit, die Tür ist nicht zu.“
„Wir haben Gerald dazu befragt, und er hat die Aussage eingeräumt. Ein solches Verhalten ist absolut inakzeptabel und verstößt gegen den Teamgeist. Mirko Slomka hat daher entschieden, ihn nicht mit nach Berlin zu nehmen. Die weitere Entwicklung werden wir beraten“ erklärte Manager Andreas Müller die Causa „Ersatzspielerus unzufriedus“. Asamoah selbst bestätigt Müllers Version aber nur teilweise: „Ich habe gesagt: Wenn ich fit bin und nicht spiele, dann gibt es ein Problem. Ich habe aber nicht gesagt, dass ich dann an die Öffentlichkeit gehe.“
Der Gescholtene ist sich keiner Schuld bewusst und verweist auf seine Meriten im königsblauen Leibchen: „Ich bin seit acht Jahren hier und habe mir noch nie etwas zu Schulden kommen lassen. Auch jetzt habe ich keinen Fehler gemacht. Ich fühle mich durch die Maßnahme verletzt. Jetzt bespreche ich mit meinem Berater, wie es weitergeht. Mein Herz hängt an Schalke, aber die Geschichte muß geklärt werden.“
Vor allem, wer eigentlich gepetzt hat...
Vielleicht wusste Asamoah ja auch einfach nur, was die Schalker am Sonntag bei Hertha BSC erwarten würde und provozierte deswegen sein „entschuldigtes Fehlen“.
Die Hertha nämlich, ebenfalls UEFA-Cup-erprobt (2:2 gegen Odense BK), erteilte in Form von Christian Gimenez den Schalker Stürmern eine Lehrstunde Marke „Wie erziele ich Tore?“
Der Berliner Neuzugang erlegte die Gelsenkirchener mit seinem Doppelpack im Alleingang, während sich Kuranyi, Lincoln, Altintop und Co. im Auslassen bester Torchancen überboten.
Von wegen „totale Dominanz“...
Also: Im DFB-Pokal weiter, im UEFA-Cup mit einem Bein in der nächsten Runde, aber andererseits wenig Erbauliches in Liga eins und der Zoff um Asamoah.
Man hat’s wirklich nicht leicht als Schalke-Fan...
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