Kleine Geschichte der Jubel-Botschaften

Mit »Jule« fing es an

Frankfurt Seferovic und Kölns Ujah haben kürzlich ihre Tore den Opfern von Gewalt gewidmet. Wann hat das eigentlich angefangen mit den Jubel-Botschaften? Fünf wegweisende Trikotlupfer.

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Nach Frankfurts Haris Seferovic hat am vergangenen Samstag auch Anthony Ujah einen Torjubel zu einer T-Shirt-Botschaft genutzt. Der Kölner widmete seinen Treffer dem Gewaltopfer Eric Garner, der nach einem Übergriff der Polizei in den USA ums Leben gekommen war. Zwei lobenswerte Aktionen, und doch streng genommen ein Regelverstoß. Der DFB sah von einer Bestrafung der beiden ab, wies aber die Vereine und Spieler darauf hin, persönliche Botschaften auf T-Shirts zukünftig zu unterlassen.

Seferovic und Ujah reien sich ein in die lange Liste derer, die den Fußballplatz für ganz spezielle Botschaften nutzten. Nicht immer mit so viel Sinn und Verstand wie das Duo Seferovic/Ujah. Fünf Beispiele.

1.
Willi Kronhardt

Im Pokalhalbfinale 1997 lüftete der Cottbusser nach seinem Treffer das Trikot, darunter kam ein weißes Hemd mit dem Schriftzug »Jule« zum Vorschein. Kronhardts Herzdame muss verzückt gewesen sein, seit dem Herzblatt-Auftritt von Michael Oenning war nicht mehr so viel Romantik bei Fußballern aktenkundig geworden. Doch der Fußball ist schnelllebig wie die Liebe. 2001 meldete die »Sport Bild« mit der Nüchternheit eines norddeutschen Sachbearbeiters: »Heute spielt Kronhardt für TeBe Berlin. Jule ist nicht mehr seine Freundin.« 13 Jahre später wiederum ist Kronhardt Trainer vom SV Elversberg. Die Idee der Trikot-Botschaft hat er sich wohl kaum patentieren lassen.

2.
Emile Mpenza

Meldungen über zersägte Sportwagen und amouröse Abenteuer mit Schönheitsköniginnen verschafften Emile Mpenza nicht gerade den Ruf als bodenständiger Arbeiter im Kohlenpott. Doch der belgische Stürmer offenbarte tatsächlich eine besondere Form der Dankbarkeit – und zwar gegenüber seiner Lieblingspizzabude. »Ciao Carmelo«, kritzelte Mpenza auf ein Shirt und zeigte es 2001 nach einem Torerfolg. Damit gemeint war der Besitzer von Mpenzas Leib- und Magen-Italiener »La Scala« in Gelsenkirchen. Während sein Bäcker, Friseur und Tankstellenwart sehnsüchtig auf derlei Liebesbekundungen warteten, brauste Mpenza zwei Jahre später mit dem Sportwagen Richtung Standard Lüttich. Es blieb ein trauriges »Ciao« eines italienischen Restaurantbesitzers.