Kiels Dominic Peitz spricht im Interview über die Relegation

»Bruno Labbadia kann mich gerne anrufen«

Wie sind Sie auf Bruno Labbadia zu sprechen? Er trainierte 2015 auch den HSV.
Ich ziehe den Hut vor seiner Leistung. Bruno Labbadia hat zweimal einen Verein in der Krise übernommen und zweimal die größtmögliche Katastrophe abgewendet, den Abstieg. Dass ich einer der Leidtragenden gewesen bin, ist blöd gelaufen. Aber deswegen hege ich keinen Groll auf Bruno Labbadia. Im Gegenteil. Labbadia war ein großer Spieler, der sicherlich viel zu erzählen hat. Sollte er das hier lesen, würde ich mich über einen Anruf sehr freuen, um vielleicht mal einen Kaffee zu trinken und über den Fußball zu reden.



Apropos Kaffee trinken, womit haben Sie die Zeit unmittelbar nach den Relegationsspielen verbracht?
Am Dienstag nach dem Relegationsspiel stand die Abschlussfeier in Kiel mit den Fans an. Abends ist die Mannschaft noch mal zusammengekommen und hat in gemütlicher Runde gegrillt. Danach habe ich ausgiebig regeneriert und die Urlaubsplanungen mit der Familie vorangetrieben.



Wie ging es der Mannschaft am Tag danach?
In erster Linie waren wir einfach müde. Das Rückspiel gegen Wolfsburg hat sehr spät stattgefunden und ich vermute mal, die meisten von uns haben nicht den besten Schlaf ihres Lebens gehabt. Dazu war das Erlebte noch zu nah.


Markus Anfang wird Trainer in Köln. Kapitän Rafael Czichos nimmt er mit. Aaron Seydel und Marvin Ducksch waren nur ausgeliehen. Bricht in Kiel gerade etwas auseinander?
Sicherlich wird die Mannschaft, die diesen großen Erfolg zu verantworten hatte,  in der neuen Saison nicht mehr so zusammen sein. Das ist allerdings nichts Ungewöhnliches. Die Kehrseite der Medaille. So ist das, wenn man sich als kleiner Verein in den Fokus spielt. Ich kann verstehen, wenn jemand noch mal auf einem höheren Niveau sein Glück versuchen will. Der abgebende Verein muss angemessen entlohnt werden, das ist wichtig und fair, wenn ein Vertragsverhältnis besteht. Da sollte man die Lage stets empathisch betrachten.



Das heißt, Sie wären einem Dominick Drexler nicht böse, wenn er in die Bundesliga wechseln möchte?
Zum einen ist das seine Entscheidung. Zum anderen: Wer im Glashaus sitzt ... Ich hatte 2011 einen unterschriftsfertigen Vertrag von Union Berlin vorliegen, habe mich aber für den Wechsel nach Augsburg entschieden. Damals war ich in einem ähnlichen Alter wie Dominick. Mir war wichtig, nicht die Chance zu verpassen, Bundesliga spielen zu können. Dass es am Ende nicht dazu kam, ist eine andere Geschichte – mit der ich allerdings in Anbetracht der Folgejahre sehr gut leben kann. Wenn ich mich heute fragen müsste, ›Was wäre wenn?‹, wäre das deutlich schlimmer für mich.



Ihr Ex-Verein, der KSC, stieg zwei Jahre nach den Relegationsspielen gegen Hamburg in die 3. Liga ab. Eine Warnung für Kiel?
Davor ist kein Verein sicher. Beim VfL Wolfsburg hat nach der letzten Saison niemand damit gerechnet, wieder in der Relegation zu landen. Auch Holstein Kiel kann plötzlich wieder gegen den Abstieg spielen. Oder wir bestätigen die Leistung. Damit rechnet schließlich auch keiner.



Sie werden in diesem Jahr 34, haben in Kiel noch ein Jahr Vertrag. Wird das ihre letzte Saison im Profifußball?
Ich gehe davon aus. Sollten mein Körper mitmachen und die Spielanteile stimmen, spricht nichts dagegen, noch ein Jahr hinten dranzuhängen. Dann allerdings nur hier in Kiel, wenn das der Verein als sinnvoll erachtet. Einen erneuten Wechsel kann ich zu 98% für mich ausschließen. Zumal andere Vereine wohl kaum Schlange stehen werden, um einen 35-Jährigen unter Vertrag zu nehmen. (Lacht)