KFC-Boss streicht Wollitz aus der Hall of Fame

ASI! ASI!

Als ganz Europa Champions League schaute, fand in Krefeld das wesentlich hitzigere Duell statt: KFC-Boss Lakis gegen Viktoria-Trainer Wollitz. Nun droht »Pele« sogar die Tilgung aus der Vereinshistorie. Was ist bloß passiert?

Michael Ketzer

Bayern gegen ManCity, Schalke gegen Chelsea, alles gut und schön. Wirklich gekämpft wurde gestern Abend allerdings ganz woanders. Im Schlagschatten der Königsklasse fand nämlich das Prestigeduell der Regionalliga West statt: KFC Uerdingen gegen Viktoria Köln.

Nur 1806 Unentwegte im Grotenburg-Stadion wurden Zeugen eines galligen 1:1 (Tore kurz vor Schluss durch Oehlers und Staffeldt), und kaum jemand bekam noch die Verlängerung mit, in die Viktoria-Trainer Claus-Dieter »Pele« Wollitz und KFC-Präsident Agissilaos »Lakis« Kourkoudialos sich warfen – zwei Männer mit Egos von der Größe der Metropolregion Rhein-Ruhr.

Unter der Gürtelinie verhaltend

Es kam fast zwangsläufig zu einer »Schlammschlacht«, wie der »Reviersport« die Auseinandersetzung nennt, die nun in einen wahren Schlammkrieg auszuarten droht. Auslöser: »Laut Lakis soll sich Wollitz nach dem Schlusspfiff unter der Gürtellinie gegenüber dem KFC-Boss verhalten haben«, so der »Reviersport« mit einem der schönsten Sprachbilder in der Geschichte des Amateurfußballjournalismus.

Sich unter der Gürtelinie verhaltende Personen sind im Fußballgeschäft zwar nichts unbedingt Seltenes, zumal in der Regionalliga West. Doch diesmal war für den KFC-Boss die Grenze überschritten: »Er hat sich kurz vor Ende und nach dem Spiel sehr asozial gegenüber meiner Person verhalten«, schimpfte seine Person, griff wutentbrannt zum roten Filzstift – und strich Wollitz, einst selbst Spieler und Trainer beim KFC, eigenhändig aus der Ahnengalerie des Vereins. Zwei große Kreuze prangen nun in »Peles« Gesicht, zwei Mal steht ihm das Wort »Asi« auf die Stirn geschrieben. Ein paar Autogrammkarten weiter schaut Sergej Gorlukowitsch sehr grimmig drein. Aber das muss nichts heißen.

Heute will Agissilaos »Lakis« Kourkoudialos, der sich auch schon mal selbst einwechselte und dann einen Elfmeter verschoss, zu noch drastischeren Maßnahmen greifen: die Entfernung des Wollitz-Porträts von der KFC-Ruhmespinnwand steht kurz bevor. »Ab Donnerstag wird Wollitz nicht mehr auf der Collage der verdienten Spieler zu sehen sein. Den kicke ich da raus«, drohte er gestern. Der Amoklauf eines Sonnenkönigs? Oder gerechte Strafe für einen Wüterich? Wer verhielt sich in den Katakomben des Grotenburg-Stadions am asozialsten? Die Lage ist unübersichtlich. Und Sergej Gorlukowitsch schweigt sibyllinisch von seiner Autogrammkarte.

Die kaputte, heile Welt – mittendrin: der Grotifant

Der Verfemte selbst fand finstere Worte: »Diese Beleidigung spricht für diese Person als Präsident«, so Wollitz. »Es ist schade, dass so ein Mann bei diesem Verein herrschen darf.«

Schade ist das alles, ja, man denke nur an das Seelenheil des Grotifanten. Aber eben auch ein bisschen schön: Schlammschlachten, sich unter der Gürtelinie verhaltende Personen, Asis, Herrscher, rote Stifte – in der Regionalliga West gibt es sie noch, die kaputte, heile Welt.