Kevin Großkreutz beim VfB Stuttgart

Cannstatt statt Paradise

Kevin Großkreutz wechselt zum VfB Stuttgart. Warum, das weiß vermutlich keiner der Beteiligten so ganz genau.

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Naja, das strahlende Lächeln muss Kevin Großkreutz noch üben in der Trainingskleidung seines bald-wohl-auch-offiziell-neuen Arbeitgebers, dem VfB Stuttgart. Leicht gequält drückt der 27-Jährige seine Mundwinkel nach oben, als VfB-Verteidiger Emmiliano Insúa auf den Auslöser drückt, hier, am Flughafen Stuttgart, kurz vor dem Abflug ins Trainingslager. Ob dem guten Kevin die To-Go-Plörre für sieben Euro aus dem Flughafencafé nicht schmeckt? Oder ob er gerade erst erfahren hat, dass der VfB, sein VfB, mit ihm nun nach Belek fliegt? In die Türkei. Dorthin, von wo er so schnell wegwollte nach seinem verlorenen halben Jahr bei Galatasaray.


Vielleicht denkt Kevin Großkreutz ja auch über die Halbwertszeit seiner eigenen Aussagen nach. »Nicht viele« Bundesligavereine kämen für ihn noch in Frage, verriet er im März 2014 in einem 11FREUNDE-Interview, damals noch in Diensten von Borussia Dortmund, seiner Kindheitsliebe. »Ich glaube, mich würde es vielmehr nach England ziehen. Oder nach Schottland, zu Celtic Glasgow.« Eine elitäre Kandidatenliste. Schließlich müssten die Anhänger eines potenziellen Arbeitgebers ähnlich »positiv bekloppt« sein wie bei seinem BVB. Den Fans, denen er jahrelang als Identifikationsfigur galt.

Großkreutz war einer von ihnen, hatte den Sprung geschafft von der Südtribüne in die Startelf des Champions-League-Finales. Großkreutz in Schwarz-Gelb, ein Leben lang – so dachten alle. Vor dem inneren Auge sahen die Anhänger den Malocher von der linken Außenbahn schon bei seinem Abschiedsspiel im Westfalenstadion, 2023, wahlweise mit seinem kleinen Bruder oder dem eigenen Nachwuchs im Schlepptau.

Ein Testspieleinsatz in vier Monaten

Doch hätte, könnte, würde – es sollte nicht sein. Nach der WM 2014, die Großkreutz ohne Einsatz zum Weltmeister machte, stieg der Marktwert des Dortmunders zwar auf zehn Millionen Euro, doch sportlich ging es bergab. Mehrere Verletzungen warfen Großkreutz zurück, am Ende der vergangenen Saison kam er wettbewerbsübergreifend auf 23 torlose Einsätze, lediglich neun davon über die volle Distanz. Und als Neu-Übungsleiter Thomas Tuchel im Sommer 2015 seinen Kader sichtete, landete ein Name ganz schnell auf der Abschussliste: Kevin Großkreutz.

Das Ende vom Lied ist bekannt: Schalschwenkend wurde der Dortmunder Jung im August 2015 am Atatürk-Flughafen von Istanbul empfangen, wo ihm Galatasaray-Fans freudetrunken um den Hals fielen. Da waren sie, die positiv Bekloppten, die Großkreutz ein Jahr zuvor noch auf der britischen Insel vermutet hatte. Bringt nur nichts, wenn der Arbeitgeber es dann nicht so genau nimmt mit der Spielerlaubnis und bei der UEFA die Deadlines reißt.