Keiner ist so gut wie Xabi Alonso

»Keiner kann das Spiel besser lesen«

Und dabei immer in Bewegung bleiben. Alonso gehört bei den Bayern meistens zu den besten drei, wenn es um die Laufleistung geht. Knapp unter 12 Kilometer legt er im Schnitt pro Spiel zurück. Sein Tempo variiert kaum, auf kräftezehrende Sprints verzichtet er meist - weil er andere Qualitäten besitzt, die ihm das erlauben. »Ich habe nie zuvor und nie danach einen Spieler trainiert, der das Spiel so gut lesen konnte. Xabi weiß schon lange vorher, was gleich auf dem Feld passiert«, sagt Denoueix. »In dem Moment, wo es im Mittelfeld eng wird, steht er schon längst außerhalb des Getümmels und löst die Situation auf, indem er den Ball ganz woandershin spielt.« Der 66-Jährige nennt das eine natürliche Gabe Alonsos. Vererbt durch den Vater Periko, einen frühreren Profi, der für San Sebastian und den FC Barcelona spielte. Xabis zweiter Bruder ist ebenfalls Fußballer, der dritte, Jon, ist Schiedsrichter.

Er macht Dinge, die in keiner Statistik auftauchen

Mit seinem Wissen und seiner Erfahrung kann Alonso auch in der Defensive Schnelligkeitsdefizite durch sein Positionsspiel kompensieren.

Das passiert durch Dinge, die in keiner Statistik auftauchen und sich nicht messen lassen. Dinge, die im Fußball noch immer entscheidend sind.

In Berlin stellte er oft mit einem einfachen Schritt nach links oder rechts einen freien Raum zu. Herthas Spieler drehten meist sofort ab, wenn sie sahen, dass die von ihnen zuvor erkannte Lücke nicht mehr bestand. Oder sie versuchten es erst gar nicht. So hatten die anderen Bayern Zeit, sich wieder zu positionieren.

Das Spiel lesen, Situationen erkennen, bevor sie entstehen, das ist, was Guardiola von Alonso verlangt. Dazu kurze Pässe, je kürzer desto besser, um das Fehlpassrisiko zu minimieren. Alles ideal für Alonso, weil er bis zu seinem Rücktritt so jahrelang mit der spanischen Nationalmannschaft spielte. Wie alle Welt- und Europameister dieser spanischen Generation verfügt er über ein hervorragendes Ballgefühl. Entscheidende Fehlpässe, wie zuletzt im Spiel bei Manchester City, sieht man von ihm ganz selten.

Kompletter als Xavi und Iniesta

Anders als etwa Xavi, Andres Iniesta oder Sergio Busquets ist Xabi Alonso ein sehr viel kompletterer Fußballer. 1,83 Meter groß, 77 Kilo schwer, ausgestattet mit einem passablen Kopfballspiel und robuster Zweikampfhärte, nervenstark.

Dabei darf er noch nicht einmal alle seine Qualitäten zeigen. Alonsos eigentliche Spezialität waren immer Diagonalbälle über 40, 50 oder 60 Meter. Kein Spieler schlägt sie so präzise. Nur ist diese Stärke beim FC Bayern nicht mehr so gefragt, hin und wieder streut er sie aber noch ein, als weiteres Stilmittel. Auf diese Weise schoss Alonso für den FC Liverpool mal ein Tor aus 55 Metern.

Liverpool. Madrid. München. Xabi Alonso spielte in allen großen Ligen, überall hatte er Erfolg. Egal unter welchem Trainer, ob Rafael Benitez oder José Mourinho, egal in welchem Spielsystem. »Er ist von seiner Mentalität her sehr Baske, sehr fleißig und loyal«, sagt Denoueix. Während seiner Zeit bei Real Madrid gehörte Alonso zu den treuesten Gefolgsleuten von Mourinho. Nun arbeitet er mit dessen ewigem Gegenspieler Pep Guardiola problemlos zusammen. »In nicht allzu langer Zeit wird Xabi selbst Trainer sein«, sagt Raynald Denoueix. Daran gibt es kaum Zweifel. Alonso spielt bereits, als wäre er einer.