Keiner ist so gut wie Xabi Alonso

Nur einer spielt noch so: Andrea Pirlo

»Um Xabi zu erklären, muss man sich nur sein erstes Spiel für die Bayern anschauen. Was er da machte, können auf der Welt vielleicht noch zwei Spieler - Xavi und Andrea Pirlo«, sagt Denoueix. »Ich hatte Spieler, für die war Fußball Krieg. Für Xabi ist das Spiel ein Konzert.« Er meint die Art und Weise, die Körpersprache, mit der Alonso bei seinem Debüt gegen Schalke 04 auftrat. Knapp 48 Stunden nach seiner Vertragsunterzeichnung dirigierte er die Bayern-Mannschaft, als hätte er nie woanders gespielt. Ohne ein Wort Deutsch zu sprechen, gab er Anweisungen. Mit den Händen, der Brust, dem ganzen Körper. So dominant hatte sich noch kein Spieler dem deutschen Publikum vorgestellt.

»Xabi verschafft sich nicht durch Worte Respekt, sondern mit seinen Füßen«

In Frankreich goss sich Denoueix vor lauter Begeisterung noch einen Tee ein beim Zuschauen. Er kannte diese Führungsqualitäten. Alonso war 19 Jahre alt, als er Real Sociedad als Kapitän vor dem Abstieg bewahrte. »Er sprach am Anfang nicht gerade viel, ganz anders als die Älteren im Team. Aber seine Ruhe am Ball, die Übersicht, das machte Eindruck. Xabi verschaffte sich nicht durch Worte Respekt, sondern mit seinen Füßen.« In Deutschland verschob sich nach dem Schalke-Spiel die Wahrnehmung. Auf einmal waren Anpassungsprobleme nur noch etwas für durchschnittliche Spieler.

Alonso wurde von einem Augenblick auf den anderen zur prägenden Figur im Spiel des FC Bayern und sorgte für einen irrwitzigen Rekord, als er gegen Köln den Ball in 90 Minuten 206 Mal berührte. Das heißt, er war rund alle 26 Sekunden am Ball. In der Regel kommen Spieler in der Bundesliga zwischen 70 und 110 Mal pro Begegnung an den Ball.

Alonsos Zahlen verraten viel über sein Spiel - und das seiner Mannschaft. Ballbesitzfußball mit vielen kurzen Pässen über zwei, drei Meter ermöglicht den Spielern sehr viele Kontakte innerhalb kurzer Zeit. Entgegenkommen, prallen lassen, weiterspielen - so funktioniert Bayerns Ballzirkulation. Oder wie Herthas Trainer Jos Luhukay es gern ausdrückt: »Klatsch, Klatsch, Klatsch!«

Alonso hat Bayerns Spiel noch weiter guardiolarisiert

Xabi Alonso ist der Meister des Klatsch, Klatsch, Klatsch. Durch ihn wurde das Spiel der Bayern weiter guardiolarisiert, es gibt noch mehr kurze Pässe, noch höhere Ballzirkulation. Das ist wichtig. Je schneller der Ball durch die eigenen Reihen läuft, desto schwieriger wird es für den Gegner, in die Zweikämpfe zu kommen und den Ball zu erobern. Jos Luhukay konnte sich am vergangenen Sonnabend davon aus der Nähe überzeugen. Waren Herthas Spieler einmal an den Bayern dran, war der Ball schon wieder ganz woanders.

Im Olympiastadion spielte Alonso so, wie er es inzwischen am liebsten mag. Er ließ sich oft zwischen die beiden Innenverteidiger Dante und Jerome Boateng fallen. Von dort hatte er den Gegner komplett vor sich, konnte das Spielfeld überblicken und meist ohne Druck entscheiden, wo er den Ball hingab. Weil die Außenverteidiger Rafinha und Juan Bernat sehr weit aufgerückt an den Außenlinien standen, war Alonso in der Lage, sie immer gleich anspielen zu können. Oder er passte zu Arjen Robben oder Franck Ribery, die ihm beide von den Halbpositionen entgegenkamen. Prallen lassen, weiterspielen.

Klatsch, Klatsch, Klatsch.