Kauft England die Bundesliga leer?

100 Millionen für Müller? Zu wenig!

Angesichts dieser Shopping-Tour freuten sich zwar Vereine wie Augsburg oder Mainz, aber gemeinhin war man sich sicher, dass der Premier-League-Drachen die Bundesliga komplett abfackelte, wenn Anfang nächster Woche das Transferfenster nicht schließen würde. »Die Bundesliga muss aufpassen, dass sie nicht leergekauft wird von England. Die überholen uns gerade links und rechts«, sagte Rummenigge diese Woche in der »Sportschau«.
 
Mehr Geld für weniger Spieler

Ist diese Sorge begründet? Bekommt die Premier League wirklich jeden Spieler, wenn sie das Portemonnaie nur weit genug öffnet?
 
Im Sommer 2014/15 haben die Premier-League-Vereine zusammen knapp über eine Milliarde Euro für 489 neue Spieler ausgegeben. Diesen Sommer sind es bislang 912 Millionen Euro für 265 Spieler. Das zeigt, dass die Premier-League-Klubs tatsächlich mehr Geld ausgeben. Aber von leerkaufen sieht anders aus.
 
Neulich sagte José Mourinho etwas sehr Interessantes zur der Diskussion. Er könne gar nicht mehr zählen, wie oft er in den vergangenen Jahren Lionel Messi Rekordangebote unterbreitet habe.  Es war eine der ernüchternden Erfahrungen im Lebens des José Mourinho, sonst »Special One« und Niederlagenhasser, denn der kleine Argentinier erteilte ihm jedes Mal eine Absage. Mourinho kam zum Schluss, dass im Fußball manchmal selbst ein Geld scheißender Esel oder Scheich nichts nützt. Bei bestimmten Spielern, die sich in einer Comfort-Zone befinden, die auf Watte gebettet sind und sich trotzdem in einem abwechslungsreichen, ambitionierten und motivierten Umfeld bewegen, hilft kein Geld der Welt.
 
Gegenbeispiel Lacazette

Beispielhaft dafür steht Alexandre Lacazette. Der Stürmer schoss für Olympique Lyon in der vergangenen Saison 27 Tore in 33 Spielen. Halb Europa war hinter ihm her, natürlich auch zahlreiche Vereine aus der Premier League. Aber Lacazette blieb in Lyon, bei seinem Ausbildungsverein, in seiner Geburtsstadt – trotz den Fantasiemillionen aus Liverpool oder vom FC Arsenal.
 
Und dann ist da ja noch das endlose Sommergerücht um Thomas Müller. Am Ende soll Manchester United – je nachdem, wo man sich über den Wechsel informierte – 85 oder 90 oder 100 Millionen Euro für das Bayern-Juwel geboten haben. Der FC Bayern schloss aber einen Transfer kategorisch aus. Und Müller sagte auch diesen einen Satz, den viele andere Fußballer sagen, wenn sie nach Wechselgerüchten befragt werden: »Ich fühle mich beim FC Bayern wohl, und mein Vertrag läuft bis 2019.« Und, oh Wunder, er schien es tatsächlich so zu meinen.