Kasachstan sucht Nationalcoach - Fans entscheiden

Benjamin Blümchen auf der Trainerbank

Über das Internet lässt der kasachische Fußballverband die Fans abstimmen, wer neuer Trainer der Nationalmannschaft werden soll. Ein zukunftsträchtiges Modell?

Imago

Bei einer Weltmeisterschaft gibt es in Deutschland 82 Millionen Bundestrainer. Mindestens. Sei es beim Public Viewing in der örtlichen Dorfkneipe oder in gemütlicher Sofarunde mit ein paar Freunden: Keine 90 Minuten ohne Stammtischparolen. »Warum stellt der Löw denn immer diesen Özil auf?«

Doch was steckt hinter diesem Unmut? Die Angewohnheit der Deutschen, nie zufrieden zu sein? Oder eher das Lechzen nach Mitbestimmung? Einmal die Aufstellung beim Lieblingsklub machen, einmal die richtigen Worte in der Kabine finden, einmal die taktischen Anweisungen am Spielfeldrand geben, das wäre es doch.

In der Vergangenheit ist so mancher Klub darauf angesprungen und hat die Fans teilhaben lassen. Etwa der mexikanische Klub Murciélagos FC. In der drittklassigen Segunda Division konnten die Anhänger via Twitter abstimmen, ob der Trainer einen Spieler einwechseln soll. Stimmte das Gros der Fans dafür, wurde der Coach am Spielfeldrand darüber informiert und schlug zwei Akteure vor. Das letzte Wort oblag schließlich den Anhängern. Inzwischen ist der Klub in der zweiten Liga angekommen – wenngleich nicht auf sportlichem Wege. Da der CD Irapuato finanziell derart angeschlagen war, dass ihm die Lizenz verwehrt wurde, stieg Murciélagos auf. Das Modell verfolgt der Klub immer noch.

Ist diese Idee nicht absurd?

Auch Fortuna Köln setzte einst auf das Prinzip der Partizipation und gewährte seinen Fans über das Portal »deinfussballclub.de« Mitsprache. Das Projekt scheiterte jedoch, als der Unmut im Umfeld wuchs. Dieses konnte zwar etwa über die Vereinshymne, nicht aber über elementare Dinge wie Formationen, Taktiken oder Spielertransfers entscheiden. Als die Anhänger beispielsweise Trainer Matthias Mink beurlauben wollten, mühte sich das Unternehmen DFC, es nicht zu einer Abstimmung kommen zu lassen. Das kuriose Projekt scheiterte.

Nun setzt auch der kasachische Fußballverband auf Transparenz. Im Februar 2014 hatte Yuri Krasnozhan das Nationalteam als Trainer übernommen, im Dezember 2015 lief sein Vertrag aus. Was nun? Diese Frage stellte sich der Verband um Präsident Yerlan Kozhagapanov – und reichte diese kurzerhand an die Fans weiter. Stimmen mindestens deren 50.000 auf der Internetseite des KFF im ersten Wahlgang ab, ob der Trainer aus dem In- oder dem Ausland kommen soll, stellt der Verband für die zweite Runde vier Kandidaten zur Wahl.

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