Kapitalgesellschaften in der Bundesliga

Was ist deine Lieblingfirma?

Wie viele Vereine spielen in der 1. Fußball-Bundesliga? Achtzehn? Falsch! Im Oberhaus kicken nur noch sechs Vereine. Der Rest setzt sich aus teils kryptisch klingenden Gebilden wie GmbH & Co. KGaA zusammen. Kapitalgesellschaften in der Bundesligaimago images
Der 31. Oktober 2000 war ein bedeutender Tag in der Geschichte des deutschen Fußballs. Der Handel für Deutschlands erste Fußball-Aktie wurde eröffnet: Die Borussia Dortmund GmbH und Co. KGaA betrat das Frankfurter Handels-Parkett. Der Verein BVB spielte da schon längst nicht mehr in der Bundesliga.

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Denn wer zum Zeitpunkt des Börsengangs von Borussia Dortmund sagte, der BVB sei sein Lieblingsverein, wusste wahrscheinlich gar nicht, dass er damit höchstens die Tischtennis-Spieler und diverse Fußball-Jugendmannschaften meinte. Anhänger der schwarz-gelben Profis hätten eher von ihrer Lieblingsfirma sprechen müssen.

Weder die Profis noch die Zweite Mannschaft oder die in der Bundesliga und in internationalen Wettbewerben erfolgreichen Handball-Damen gehörten zu diesem Zeitpunkt noch dem Verein BVB an.

Der Grundstein dafür wurde auf der Jahreshauptversammlung von Borussia Dortmund im Jahr 1999 gelegt. Damals beschlossen die Mitglieder des BVB fast einstimmig die Gründung einer Kapitalgesellschaft, der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA.

Profitable Felder ausgegliedert

In diese Gesellschaft hatte der BVB alle Abteilungen ausgegliedert, die irgendwie Profit versprachen, also natürlich auch die Profi-Mannschaft. Erst durch den Börsengang im Jahr 2000 rückte dieser Umstand ins Bewusstsein der Masse und Borussia Dortmund stand als Beispiel für das Ende des Vereinsfußballs und den Beginn eines Zeitalters, in dem Kapitalgesellschaften in der Liga den Ton angeben würden.

Dass der BVB kein Einzelfall ist, bewies dabei schon Franz Beckenbauer mit einem flapsigen Spruch. »Ich bin nur der Präsident der Schachspieler«, scherzte der Kaiser, denn die Fußball-Profis der Bayern gehören seit 2002 der Bayern München AG, deren Vorstandsvorsitzedner wiederum Karl-Heinz Rummenigge ist.

Bereits 1996 hatten die Mitglieder des FC Bayern der Gründung einer Aktiengesellschaft und der späteren Ausgliederung des Profi-Fußballs zugestimmt, also noch bevor der DFB 1998 beschloss, auch Kapitalgesellschaften in den Spielbetrieb aufzunehmen.
Keine feindliche Übernahme

Die Bayern kicken also als AG, die Dortmunder als im Fußball inzwischen weit verbreitete GmbH & Co. KGaA. Aber wo ist eigentlich der Unterschied?

Kurz gesagt, kann eine GmbH & Co. KGaA nicht von einem Konkurrenten übernommen werden. Immer wieder wurde gescherzt, der FC Schalke 04 könne nun die Borussia aufkaufen und dort über die Geschicke bestimmen. Doch genau davor schützt eine KGaA.

Während eine Aktiengesellschaft (AG) jederzeit durch den Erwerb der Aktienmehrheit kontrolliert werden kann, ist dies bei einer KGaA nicht möglich. Der Grund: Die persönlich haftende Gesellschafterin der KGaA ist kein Mensch, sondern eine Firma - die Borussia Dortmund Geschäftsführungs-GmbH, die wiederum zu 100 Prozent dem Verein BVB 09 gehört.

Der Verein bestimmt


In dieser Geschäftsführungs-GmbH saßen zum Zeitpunkt des Börsengangs zwei Personen: BVB-Präsident Gerd Niebaum und BVB-Manager Michael Meier. Inzwischen führen Hans-Joachim Watzke und sein Mit-Geschäftsführer Thomas Treß die Geschäfte. Der Kniff ist, dass die Besetzung der Geschäftsführungs-GmbH durch den Verein erfolgt, während bei einer AG der vom Mehrheitseigner dominierte Aufsichtsrat den Vorstand bestimmt.

Hingegen sind die Aktionäre bei einer KGaA zwar als Kommanditisten am Kapital beteiligt, besitzen aber keinerlei Einfluss auf die Besetzung der Geschäftsführung.

Sollte also der FC Schalke 100 Prozent der Aktien der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA kaufen, würden die Königsblauen zwar die volle Dividende einstreichen – so jemals eine gezahlt würde –, hätten aber formal keinen Einfluss auf die Geschäfte.

Kickende Gesellschaften sind die Regel


Warum gliedern Vereine überhaupt ihre Profi-Abteilungen aus? Einerseits, um das wirtschaftliche Risiko für den Verein zu verringern. Eine ausgegliederte Profi-Abteilung kann Pleite gehen, ohne den Verein in seiner Existenz zu bedrohen - zumindest so lange im Verein vernünftig gewirtschaftet wird.

Andererseits arbeiten Fußball-Vereine in der Regel gemeinnützig. Sollte der Verdacht aufkommen, ein Verein konzentriere sich zu sehr auf den Profi-Sport, droht der Verlust der Gemeinnützigkeit, was wiederum steuerliche Konsequenzen hätte. Daher gliedern die Vereine den Profi-Bereich aus und kümmern sich selbst um den Amateur- und Breitensport.
KGaA ist beliebteste Rechtsform

Die meisten Bundesligisten sind inzwischen Kapitalgesellschaften. Mit dem VfL Bochum, Energie Cottbus, dem HSV, dem Karlsruher SC, dem FC Schalke 04 und dem VfB Stuttgart spielen nur noch sechs eingetragene Vereine in der Ersten Bundesliga.

Der MSV Duisburg schickt seine Mannschaft als Angestellte einer GmbH & Co. KGaA auf den Zweitliga-Rasen und befindet sich dort mit Wehen, Jena, Koblenz, Aachen, Greuther Fürth, 1860 München und Augsburg in bester (Kapital-)Gesellschaft. Rot-Weiß Oberhausen hingegen ist nach wie vor ein Verein. Im Eishockey ist es noch extremer: In der Deutschen Eishockey-Liga spielt kein einziger Verein mehr.

Für die Rechtsform der KGaA haben sich sechs Bundesligisten und der MSV entschieden. Eintracht Frankfurt und Bayern München sind AGs, Hoffenheim, Leverkusen, Mönchengladbach und Wolfsburg sind kickende GmbHs. Im Gegensatz zu GmbH & Co. KGaAs müssen die übrigen Kapitalgesellschaften immer mit der Mehrheit dem dahinterstehenden Verein gehören.

50+1-Regel blockt Investoren


Der FC Bayern München e.V. etwa muss also stets 50 Prozent seiner Aktien plus eine Aktie an der FC Bayern München AG halten – das besagt die so genannte 50+1-Regel der Deutschen Fußball-Liga (DFL). Ob die noch lange Bestand hat, ist indes offen.

Bereits jetzt hält Adidas 10 Prozent an der Bayern München AG. Der Boss von Hannover 96, Martin Kind, würde die Regel am liebsten ganz abschaffen und seinen »Klub« vollständig für Investoren öffnen.

Bis es jedoch so weit ist, werden die Fans weiterhin in die Stadien pilgern und von ihrem Verein schwärmen - auch wenn sie eigentlich eine Firma meinen.

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Die Rechtsformen in der Bundesliga


Schon längst haben die meisten Bundesligisten den Profi-Fußball in eine Kapitalgesellschaft ausgegliedert. Eine Übersicht (e.V. = eingetragener Verein):

    * Hertha BSC Berlin GmbH & Co. KGaA
    * Arminia Bielefeld GmbH & Co. KGaA
    * VfL Bochum 1848 Fußballgemeinschaft e.V.
    * Werder Bremen GmbH & Co. KGaA
    * FC Energie Cottbus e.V.
    * Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA
    * Eintracht Frankfurt Fußball AG
    * Hamburger Sport-Verein e.V.
    * Hannover 96 KGaA
    * TSG Hoffenheim Fußball-Spielbetriebs GmbH
    * Karlsruher Sport-Club e.V.
    * 1.FC Köln GmbH & Co. KGaA
    * Bayer Leverkusen Fußball GmbH
    * Borussia VfL 1900 Mönchengladbach GmbH
    * FC Bayern München AG
    * FC Schalke 04 e.V.
    * VfB Stuttgart 1893 e.V.
    * VfL Wolfsburg-Fußball GmbH
    * MSV Duisburg GmbH & Co. KGaA
    * SC Rot-Weiß Oberhausen e.V.