Kann Klinsmann im Abstiegskampf funktionieren?

Wie viel spielerisches Potential schlummert im Kader?

3. Wie viel spielerisches Potential schlummert im Kader?
In der ersten Halbzeit gegen den BVB hielt Hertha gut dagegen. Die Mannschaft war zunächst überrascht von der ungewohnten Dreierketten-Variante worden, die BVB-Trainer Lucien Favre ausgetüftelt hatte. Nach dem 0:2-Rückstand fand sie jedoch ins Spiel. Gerade das neue Tempo im Sturm trat der zuletzt schlafmützig auftretenden Hertha-Elf gut.

Nach der Gelb-Roten Karte gegen Mats Hummels zog sich der BVB im 4-4-1 zurück, Berlin kontrollierte das Geschehen. Hier zeigte sich ein Makel, der sich durch die gesamte Berliner Saison zieht: Sie waren nie in der Lage, die tief stehenden Viererketten der Dortmunder zu überwinden. Wieder und wieder verlagerten sie das Spiel von einer Seite zur anderen. Dabei ließen sie nicht nur Tempo vermissen, sondern auch Raffinesse. Nur selten gingen Spieler ins Dribbling, noch seltener wagte Hertha einen Pass ins dichte Mittelfeld.

Hier liegt die Schwachstelle des Teams. Kreative Mittelfeldspieler wie Marko Grujic, Ondrej Duda und Arne Maier sind entweder außer Form oder fehlen verletzt. Herthas Mittelfeld überzeugt mit Kampf; siehe die erste Halbzeit gegen den BVB, als sie mit ihrer engen Manndeckung den BVB nervten. Kreative Akzente gibt es kaum. Kann Klinsmann Potential im Berliner Mittelfeld entdecken, das bislang ungenutzt blieb?

4. Was will Hertha sein?
Herthas Führung, allen voran Investor Lars Windhorst, träumt davon, Hertha als »Big Player« im deutschen Fußball zu etablieren. Das beißt sich mit dem eher biederen Image des Klubs. Dieses Hin und Her aus Alt und Neu, aus Modern und Altbacken, aus Start-Up und Alte Dame lässt den Verein bislang beliebig wirken.

Aber auch auf dem Feld ist bei den Berlinern keine klare Ausrichtung erkennbar. Unter Ante Covic versuchten sie, von allem etwas zu sein: Sie wollten schnell kontern, aber auch den Ball laufen lassen, hart kämpfen, aber auch schön spielen, versuchten es mal mit Vierer-, mal mit Fünferkette. Am Ende konnte Hertha alles ein bisschen, aber nichts richtig.

Wie sieht das spielerische Ideal aus, welche Strategie verfolgt die Mannschaft? Diese Antwort konnte das erste Spiel unter dem neuen Trainer noch nicht liefern. Auch wenn das Bemühen zu erkennen war, schnell hinter die Abwehr zu spielen: Es waren allenfalls Ansätze.

Ansätze, die sich irgendwann aber in ein großes Ganzes fügen müssen. Klinsmann braucht eine Vision, welchen Fußball diese Mannschaft spielen will. Aber: Wenn Klinsmann mit einer Sache Erfahrung hat, dann sind es Visionen.