Kampfgeist vs. Selbstzufriedenheit

Der Quälgeist, den ich rief

Der ostwestfälische Landadel (Bielefeld) fordert die westfälische Ritterschaft (Borussia Dortmund) zum Kampf heraus. Wählt Lehrmeister Doll erneut die richtige Taktik für den Sieg - oder überlistet ihn Trunkenbold Middendorp? imago images
Der Kampfgeist ist der Zigeuner unter den Tugenden. Er stammt aus der Familie der Ehrgeister. Er tritt nur in ganz bestimmten Regionen Deutschlands auf und auch nur dann, wenn es ihm gerade in den Kram passt. Oft herbei gesehnt, erscheint er vor allem in einer bestimmten westfälischen Metropole immer nur dann, wenn man ihn nicht erwartet. Meistens entschwindet er dann aber genauso schnell wieder wie er gekommen ist. Das ist unverständlich, wird er doch von den dort lebenden Barbaren aufs Höchste verehrt. Schuld an seinem Verschwinden ist meist seine ärgste Feindin, die Selbstzufriedenheidi. Sie stammt aus der Familie der Quälgeister.

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Dortmund ist ihre Heimat. Hier fühlt sie sich wohl. Sie ist zwar bei den meisten Barbaren fürchterlich unbeliebt, nur die reichen Fürsten und die Ritter der Stadt verehren sie. Ist sie doch die bequemste und netteste Freundin, die man haben kann. Sie ist sich für nichts zu schade und nimmt einen jeden von ihnen auf. Sie ist die Hure unter den Tugenden. Immer ist sie für einen da, wenn man sich einfach mal auf die faule Haut legen und hören möchte, was für ein toller Hecht man doch ist. Bei den Barbaren kommt das weniger gut an, sie sehen gerne (Herz-)Blut, und Müßiggang ist ihnen fremd. Einer der Mächtigsten des Landes, Evonysius tadelt -– gewandet in eine lila-weiße Robe -– seine Patrizier daher auch mit den Worten: „„Die Ritter müssen nicht immer gewinnen, aber wir wollen Einsatz und Leidenschaft sehen. Und sie müssen mehr kämpfen. Das ist viel zu selten der Fall.“ Dem Kampfgeist gefällt es nicht, derart an den Pranger gestellt zu werden.

Zu allem Überfluß kommen am Freitag auch noch Selbstzufriedenheidis Freunde von der Alm und es bleibt abzuwarten, ob sie dadurch wohl den Kampfgeist übertrumpfen kann. Immer wenn das Turnier gegen ihre Freunde, den ostwestfälischen Landadel, ansteht, becirct Selbstzufriedenheidi die westfälischen Ritter besonders. Dieses Mal fällt es ihr nicht schwer, sind die tapferen Männer nach einem Sieg im letzten Ritterturnier gegen das Königreich Schwaben noch derart von sich selbst überzeugt, dass Selbstzufriedenheidi ihnen nur ein bisschen nach dem Mund reden muss um sie auf den anstehenden Kampf einzustimmen. „Oh großer Phillipus, du bist der beste, wenn du auf der rechten Seite reitest“, „Du kannst am besten mit der Lanze umgehen, schwarzer Magier aus dem Morgenland“, „Du hast den besten und dicksten Panzer, Christianus Maximus“ „Du triffst dein Ziel mit einer fabelhaften Genauigkeit, Delronius“. Diese Schmeicheleien wendet sie Woche für Woche an, um den lästigen und unbequemen Kampfgeist aus ihren Köpfen zu vertreiben.

Gegen den Landadel taten sich die tapferen Ritter aus Tremonia immer schwer. Doch dieses Mal soll alles anders kommen. Der Kampfgeist hat einen Pakt mit seinen Dämonenfreunden Morales und Ärgaizis geschlossen, behauptet der große Lehrmeister der Ritterschaft. Sie sollen die Ritterschaft derart umnebeln, dass es Selbstzufriedenheidi nicht gelingt, ihren Zauber auf die tapferen Helden wirken zu lassen. Es sollen die größten Ritterspiele aller Zeiten werden, mit denen Selbstzufriedenheidi für immer aus der Stadt gejagt werden soll. Es soll ein Fest mit viel Blut werden, um die Barbaren zu besänftigen. Es sollen Fanfaren ertönen und danach sollen die Ritterspiele zu Tremonia alles vergessen machen. Sie sollen die Barbaren ablenken von Diktatur und Tyrannei, von Not und Elend, von Dunkelheit und Düsterkeit.

Doch es regt sich Zweifel im Adel zu Tremonia, ob der große Lehrmeister wohl noch der richtige ist. Kommt er doch nicht aus einer patrizischen Familie, sondern entstammt dem Pöbel und ist gezeichnet von den vielen Kämpfen der Vergangenheit. Er ist ein Mann des Pöbels und versteht es seine Sprache zu sprechen. Doch kann ein Mann (möge er auch vier Augen haben) die Sprache des Plebs und der Patrizier gleichzeitig sprechen? Der Kampf zu Tremonia am Abend des ersten Tages des ersten Monats der ersten Dekade nach der Schlacht von La Coruna wird es zeigen.

Die westfälische Ritterschaft: Weidenfeller – Blaszczykowski, Amedick, Kovac, Dede – Kehl – Kringe, Tinga – Federico – Petric, Klimowicz
Lehrmeister: Doll

Der ostwestfälische Landadel: Fernandez – Korzynietz, Kucera, Gabriel, Schuler – Kauf – Zuma, Kirch, Marx, Kamper – Wichniarek
Trunkenbold: Middendorp

Turnierleiter: Fandel
Turnierleiterassistenten: Wezel und Willenborg