Junge Trainer im Profifußball

Im täglichen Training, beteuert Osterland, habe er dagegen kaum schlechte Erfahrungen mit Spielern gemacht, die ein paar Tage oder Monate oder gar Jahre älter sind, die womöglich an seinen Methoden oder seiner Autorität zweifeln. »Natürlich versuchen die Spieler, ihre Grenzen auszuloten, aber das machen sie bei jedem Trainer, unabhängig vom Alter«, sagt er. Ähnlich hat es Nagelsmann 11FREUNDE erzählt. »Anfangs gab es ein gegenseitiges Abtasten. Die älteren Spieler hatten in ihrer Laufbahn schon den einen oder anderen Trainer und wollten austesten, ob ich überhaupt Ahnung von Fußball habe«, sagte Nagelsmann. »Ich denke, ich konnte sie durch meine individuellen Ratschläge und fachlichen Sachverstand überzeugen.«

Das bestätigt auch Markus Eulenkamp. Der Organisationsberater aus München hat sich darauf spezialisiert, Wirtschaftsunternehmen zu betreuen, in denen junge qualifizierte Mitarbeiter deutlich ältere und erfahrenere Kollegen anleiten und führen – eine Konstellation, die große Chancen bietet und doch für beide Seiten nicht ganz einfach ist. »In solchen Fällen geht es zuallererst um das Thema Glaubwürdigkeit«, sagt Eulenkamp. Bei mangelndem Erfahrungsschatz – oder auf den Sport bezogen: fehlenden Titeln – sollte man es vermeiden, die eigene Macht und Autorität als Druckmittel zu gebrauchen. »Du machst das jetzt, weil ich der Trainer bin – diese Schiene funktioniert nicht«, sagt Eulenkamp.

»Der Vertrauensvorschuss ist meistens eher klein.«

Immerhin haben es Osterland, Nagelsmann und Kollegen diesbezüglich schon wesentlich leichter als noch vor einem oder zwei Jahrzehnten, als die Generation Effenberg regierte und der Begriff von der flachen Hierarchie noch nicht konsensfähig war. Man stelle sich, bei allem, was man so vom aktiven Fußballer Effenberg gehört und gesehen hat, nur einmal einen 29 Jahre alten Co-Trainer vor, der ihm, dem Routinier und unumstrittenen Alphatier, die nächste Übung zeigt oder (vermeintlich) hilfreiche Ratschläge gibt. Eine Fiktion, über die auch Osterland schmunzeln muss. »Da bin ich ganz froh, dass ich im Hier und Jetzt arbeite«, sagt er. In einer Zeit also, in der den Spielern ein Stück ihrer Aufmüpfigkeit abhanden gekommen, ja, in den Nachwuchsleistungszentren genommen worden ist. »Junge Führungskräfte werden sehr viel mehr an ihrem Know-how und ihrer beruflichen wie sozialen Kompetenz gemessen«, sagt Eulenkamp, »der Vertrauensvorschuss ist meistens eher klein.« Deshalb rät der Organisationsberater auch dazu, vom ersten Tag an offen mit dem Thema Alter umzugehen.

So wie es auch Sören Osterland getan hat. »Ich habe immer versucht, mit meiner Expertise zu überzeugen«, sagt er, »man sollte gar nicht erst auf Kumpel machen, auch mit Gleichaltrigen nicht, sondern über die Fachebene eine Beziehung zur Mannschaft aufbauen.« In Paderborn jedenfalls sind sie sehr angetan von dem Trainer-Talent, das Effenberg mit in die Stadt gebracht hat. Und seine Perspektiven für eine künftige Anstellung als Cheftrainer sind schon unter demografischen Aspekten exzellent, wenngleich Osterland betont: »Ich setze mich da nicht unter Druck.« Es muss ja nicht jeder gleich mit 29 Jahren Cheftrainer werden.