Jürgen Klinsmann bei der Copa America

Ein typischer Klinsmann

Obwohl Fußball in den USA weiterhin im Schatten größerer Sportarten steht, muss er mit hoher Medienaufmerksamkeit zurechtkommen. Von ESPN über FOX Sports bis hin zur riesigen Twitter-Community – überall sitzen Experten und vermeintliche Experten, die sein Handeln kritisch beäugen und auch vor bissigen Kommentaren nicht zurückschrecken.

Nach der Niederlage gegen Kolumbien zog Klinsmann einmal mehr den Zorn dieser Riege auf sich, als er mitteilte, dass er »sehr zufrieden mit der Leistung« war. Und noch einen draufsetzte: »Abgesehen von den beiden Toren war kein Unterschied zwischen beiden Teams erkennbar.« Journalist Noah Davis bezeichnet dies als einen »all-time Klinsmannism«.



Der gebürtige Schwabe ist für derlei Aussagen bereits bekannt. Davis stimmte in seinem ESPN-Artikel jedoch in Teilen Klinsmanns Bewertung der Partie zu. Angesichts der statistischen Werte und guter Chancen Dempseys war die USA nicht komplett unterlegen, schreibt Davis. Zudem hätte Klinsmann bereits Dinge umgesetzt, die von vielen Seiten gefordert wurden.

»Das ist es, was ihr wolltet, amerikanische Fußballfans«

Als Beispiel führt Davis dabei Michael Bradleys Rolle im Spiel gegen Kolumbien an. Der 28-jährige Kapitän hielt sich mit Vorstößen von der alleinigen Sechserposition zurück, nahm aber deshalb nicht so viel Einfluss auf das Offensivspiel seines Teams. Einige Fehlpässe krönten Bradleys eher durchwachsene Leistung auf der tiefen Sechserposition.

»Der Plan ging gegen die Cafeteros nicht auf, aber das ist kein Grund, die Idee zu verwerfen. Klinsmann macht auch keine Anstalten, dies zu tun«, erläutert Noah Davis und fügt hinzu: »Das ist es, was ihr wolltet, amerikanische Fußballfans.«

Fällt Jermaine Jones aus der Startelf?

Wird Klinsmann also im anstehenden Gruppenspiel gegen Costa Rica, das Dempsey als »must-win situation« bezeichnete, Bradley in eine offensivere Rolle stecken? Wird er den Sturm umbauen? Wird er Routinier Dempsey degradieren? Bekommen Pulisic und Nagbe mehr Einsatzzeiten? Fällt womöglich Jermaine Jones aus der Startelf? Und wohin stellt er Allrounder Fabian Johnson?

Egal wie sich Klinsmann entscheidet, setzt es für die USA eine zweite Niederlage beim Heimturnier, steht er wieder unter Dauerbeschuss. Und im Vorfeld wussten es alle besser.