Jürgen Klinsmann bei der Copa America

Unter Dauerbeschuss

Jürgen Klinsmann hat mit dem US-Team das WM-Achtelfinale erreicht und den Gold Cup gewonnen – trotzdem steht er ständig in der Kritik. Zu Recht?

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Die Eröffnungspartie der Copa America Centenario endete für das Team der USA auf heimischen Boden erfolglos. 0:2 verlor es gegen Kolumbien. An sich keine Katastrophe, zählen die Kolumbianer doch zu den Besten im Wettbewerb. Aber: Die Luft für US-Trainer Jürgen Klinsmann wird trotzdem immer dünner.

Vor ein paar Jahren galt er noch als wichtiger Reformer des US-amerikanischen Fußballs. Das Nationalteam gewann 2013 den Gold Cup und zog ein Jahr später ins Achtelfinale der WM ein. Jungen Kickern wie DeAndre Yedlin und John Anthony Brooks wurde eine große Zukunft vorhergesagt. Doch die Ergebnisse blieben anschließend aus.



Beim Gold Cup 2015 musste man sich im Halbfinale dem Team von Jamaika geschlagen geben. In der WM-Qualifikation gab es vor kurzem eine 0:2-Niederlage gegen Guatemala. Der Abstand auf den Tabellenführer der Gruppe, Trinidad and Tobago, beträgt drei Punkte.

Mittlerweile werden Klinsmanns Entscheidungen immer häufiger hinterfragt. Teilweise nimmt es jedoch absurde Züge an. Lange Zeit stand Klinsmann in der Kritik, da er ständig personelle Wechsel vornahm und keinen festen Stamm an Spielern fand. Gegen Kolumbien stellte er hingegen nahezu die identische Mannschaft auf, die auch zuvor zwei Testspiele bestritten hatte. Am Resultat änderte dies nichts.

Nun wird die Forderung laut, frischen Talenten eine Chance zu geben. Eine Generation junger Fußballer, die dem High-School- und Universitätssystem entspringt, verzeichnet große Popularität im Land. Das Durchschnittsalter des US-Teams gegen Kolumbien lag aber bei 27,7 Jahren.

Medien fordern: Mehr Spielzeit für Dortmunds Pulisic

Erst in der letzten halben Stunde wechselte Klinsmann mit Christian Pulisic, der für Borussia Dortmund bereits sein Bundesligadebüt feierte, und Darlington Nagbe zwei beliebte Hoffnungsträger ein. Nun kommt in den Medien die Forderung auf, Klinsmann sollte Pulisic und Nagbe mehr Einsatzzeit in der zweiten Gruppenpartie gegen Costa Rica geben.

»Eingefleischte US-Anhänger forderten Einsätze für die Neulinge Darlington Nagbe und Christian Pulisic bereits vor dem Start des Turniers, da beide als Einwechselspieler in den beiden Testpartien vor der Copa überzeugten«, schreibt beispielsweise Doug McIntyre von ESPN. »Einige Fans – und manche Experten – schlugen sogar vor, dass Clint Dempsey seinen Platz räumen sollte.«

Dempsey gehört zur alten Garde. Er ist Führungsspieler und Identifikationsfigur. Aber er ist auch bereits 33 Jahre alt. Seine glorreichen Tage in der englischen Premier League liegen hinter ihm. Und gegen Kolumbien spielte er als alleiniger Mittelstürmer in einer ungewohnten Rolle.

»Der alternde Dempsey«

»Dempsey hatte erhebliche Probleme damit, dass er als falsche Neun allein in der Spitze spielte«, analysiert Conor Dowley im Nachgang auf SBNation.com. Ohne die Präsenz eines bulligen Sturmpartners käme »der alternde Dempsey« in Schwierigkeiten.

Dempsey war gegen Kolumbien maßgeblich an den besten Chancen der US-Amerikaner beteiligt. Trotzdem flammen Diskussionen um ihn und andere Routiniers auf. Zum Teil entsteht der Eindruck, als wären sie weniger gegen die Spieler selbst, als vielmehr gegen Klinsmann gerichtet, der es anscheinend niemandem recht machen kann.

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