Johnny Rotten über Arsenals Helden und Versager

»Neben George Best wirkten wir wie Idioten«

John Lydon, Sänger der Sex Pistols und Public Image Ltd., liebt Punkrock und den FC Arsenal. Hier erzählt er von seinen Fußballhelden – und den größten Versagern.

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Helden
 
Ganz oben auf der Liste steht ein Torhüter: Bob Wilson. Er spielte von 1963 bis 1974 für den FC Arsenal. Er war brillant, mental unfassbar stark. Dazu war er ein Gentleman. Bob brachte Klasse und Stil in den Fußball, er war keiner von diesen Hooligan-Typen, die in den Sechzigern und Siebzigern haufenweise über das Feld torkelten.
 
Dann darf natürlich Ian Wright nicht fehlen, mein Lieblingsstürmer der Neunziger. Wright war ein smarter Typ, treffsicher und auch spielerisch sehr stark. Es hat immer Spaß gemacht, ihm beim Spielen zuzugucken.
 
Das gilt auch für John Radford, den Torjäger meiner Jugend. Er spielte beim FC Arsenal ab 1964. Damals war ich acht Jahre alt, das Highbury war noch ein rauer und faszinierender Ort, wie ein Abenteurspieltplatz. Dort kauerte ich auf der Schüler-Tribüne und sah diesem eiskalten bulligen Vollstrecker beim Toreschießen zu.
 
Natürlich darf auch Thierry Henry nicht fehlen. Was soll man über ihn noch sagen? Die Quote spricht für sich: 254 Spiele, 174 Tore.
 
Schließlich noch Dennis Bergkamp. Ein Mann mit unfassbaren Fähigkeiten und einem sensationellen Ballgefühl. Ich habe unzählige Situationen erlebt, in denen er von drei oder mehr Verteidigern bedrängt wurde und diese durch Körpertäuschungen trotzdem wie Kinder aussehen ließ. Ich fand Bergkamp zugleich eigenartig und faszinierend. Vielleicht weil ich mich ihm auch menschlich nah fühlte. Er hat ja Flugangst und reiste deswegen nie zu internationalen Auswärtsspielen – oder fuhr per Auto. Ich habe seit jeher Höhenangst. Als wir einmal auf Tour waren, wohnten wir in einem Hotel, das 48 Stockwerke hoch war. Und wir waren zu allem Überfluss ganz oben untergebracht. Ich bewegte mich im Zimmer nur an der Wand entlang und ging nie in die Nähe des Fensters.
 
Es gab nur einen, den ich für seine Technik mehr bewundert habe, und das war Georgie Best. Für mich war es immer sehr hart, wenn es gegen Manchester United ging, denn einerseits sah man so einen wie Best gerne Fußballspielen, andererseits nahm er die Arsenal-Defensive regelmäßig auseinander. Wir wirkten neben ihm wie Idioten. Aber auch seine Mitspieler sahen manchmal aus wie schlechte Statisten. Eigentlich war er ein Solist, er brauchte nur sich und den Ball.
 
Manchmal fragen mich Leute, warum ich Georgie Best so mag, obwohl ich Arsenal-Fan bin. Ich finde das dumm. Man kann doch Spieler von anderen Teams trotzdem für ihr Können oder ihre Tore bewundern, auch wenn sie bei einem anderen Klub spielen. Genauso ging es mir die letzten Jahre auch mit Didier Drogba, als er beim FC Chelsea spielte. Schon deshalb, weil er die Verteidiger und die gegnerischen Fans in Angst erstarren ließ, wenn er am Ball war. Kaum ein Spieler hatte so eine Wucht wie er.