Joel Matips Aufstieg in die Weltklasse

Endlich wertgeschätzt

Auf Schalke wurden sie nervös, wenn er am Ball war, bei Liverpool war er lange Mitläufer. Nun hat Joel Matip die Champions League gewonnen und erhält endlich die Anerkennung, die er verdient.

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Wenn Joel Matip das Haus verlässt, checkt er noch einmal kurz, ob er auch alles in seinen Taschen hat. Handy? Check! Portemonnaie? Check! Schlüssel? Check! Lionel Messi? Check! Soweit zumindest die Vorstellung einiger Fans des FC Liverpool, die vor dem Champions-League-Finale gegen Tottenham mit einem entsprechenden Banner in Madrid posierten.

 

Screenshot: Twitter

 

Dass die englischen Fans ausgerechnet das Konterfei des in Deutschland oft etwas belächelten Matip auf ihr Banner pinselten, mutet nur auf den ersten Blick verwunderlich an. Denn dass sie zum zweiten Mal in Folge zum Königsklassenfinale reisen durften, hatten die Fans des Reds eben auch Joel Matip zu verdanken, der mit einer blitzsauberen Leistung im Halbfinal-Rückspiel gegen den FC Barcelona einen gewissen Lionel Messi sprichwörtlich in die Tasche gesteckt hatte. Und auch daran, dass der FC Liverpool im Finale über Tottenham Hotspur triumphierte, hatte der Innenverteidiger nicht nur mit seiner Vorlage zum spielentscheidenden 2:0 durch Divock origi großen Anteil. 

 

Matip klärte im Champions-League-Finale die meisten Bälle

 

Denn so wie er an der Anfield Road Lionel Messi aus dem Spiel genommen hatte, sorgte er nun im Estadio Metropolitano dafür, dass mit Harry Kane ebenfalls einer der wichtigsten Spieler des Gegners überhaupt nicht zur Entfaltung kam. Stolze 14 Aktionen klärte Matip zugunsten der Reds. Zur Einordnung: Zweitbester Spieler in dieser Kategorie war Tottenhams Toby Alderweireld mit sechs geklärten Bällen. Selbst Matips Nebenmann Virgil van Dijk, der dieser Tage als bester Innenverteidiger der Welt gilt, klärte lediglich fünfmal. Folgerichtig erhielt Matip auf dem Statistik-Portal »whosocred.com« sogar die beste Gesamtbewertung aller Feldspieler. 

 

Vielleicht liegt es sogar an jenem Virgil van Dijk, dass der gebürtige Bochumer trotz seiner starken Leistungen und seiner 1,95 Meter Körpergröße in der öffentlichen Wahrnehmung bislang weitgehend unter dem Radar geflogen ist. Seit der Niederländer im Januar 2018 an der Anfield Road gelandet ist, hat er sich mit brachialer Konsequenz zum wohl besten seines Fachs gemausert. Highlight-Videos über van Dijk tragen Titel wie »The Monster« oder »Beast of a Centre Back«.

Schlaks statt Monster

 

Joel Matip hingegen ist kein Monster, kein Typ für spektakuläre Grätschen oder radikale Tacklings. Wer als Angreifer an diesem Schlaks vorbeikommen will, sieht sich vor ganz andere Probleme gestellt: Ein ausgezeichnetes Stellungsspiel, enorme Kopfballstärke und unfassbar lange Beinen, die Stürmer auch dann noch einholen, wenn sie sich längst am Verteidiger vorbeigezogen wähnen. Hinzu kommt eine überaus intelligente Spieleröffnung: Mit Pässen, die nicht immer ohne Risiko sind, setzt Matip seine Kollegen aus dem Angriff in Szene. Und wenn sich keine Anspielstation bietet, dann fasst er sich eben selbst ein Herz und stakst mit dem Ball am Fuß los, um ihn persönlich in die gefährlicheren Zonen zu tragen.