Joe Allen: Wales' heimlicher Star

Von Jürgen Klopp empfohlen

Gareth Bale? Nein, Joe Allen ist der Star der Waliser! Sagen zumindest die Waliser. Was an Allens Taktgefühl, eierlosen Hennen und seinem Bart liegt.

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»Er ist unser Dreh- und Angelpunkt«, sagt Chris Coleman, Trainer der Waliser. Und er meint nicht Gareth Bale, nicht Aaron Ramsey, sondern Joe Allen. Diesen 1,68 Meter kleinen Mittelfeldmotor, dessen Spiel vor allem durch eines auffällt: seine Unauffälligkeit.

Aber Allen ist nicht einfach nur ein Trainerliebling. Denn auch der Kapitän der Waliser, Abwehrkante Ashley Williams, stimmt mit ein in die Jubelarie, verrät: »Die Nationalmannschaft hat eine WhatsApp-Gruppe und darin mindestens einmal die Woche einen Joe Allen-Anerkennungstag.« Warum? »Er hat einen tollen Bart, eine tolle Frisur, ist einfach super Typ. Er ist der entscheidende Mann in unserem Kader. Und ein super Fußballer.«

Er lenkt von sich ab, wie er das Spiel lenkt: schnell weiter

Er war seinem Heimatklub, Swansea City, entwachsen. Für den er schon mit 16 debütiert, und den er mit 21 in die Premier League führt. Als nimmermüder Taktgeber eines feinen Passspiels, das sie in England so sonst nur vom großen FC Arsenal kannten. Oder vom FC Barcelona.

»Welsh Xavi« nennen sie ihn damals dann auch. Allen ist das wenig geheuer. Seine Persönlichkeit gleicht seinem Spiel. Aufmerksamkeit meidet er wie ein unnötiges Dribbling. Er lenkt lieber von sich ab, so wie er das Spiel lenkt: schnell weiter.

Doch der Rummel um ihn nimmt eher noch zu. Unter dem Brennglas eines Giganten wie dem FC Liverpool ist es mit der Stille schnell dahin. Immerhin fügt sich Allen sportlich gut ein. Zunächst. 

Dann geht es dahin

Unter Brendan Rodgers, mit dem er schon in Swansea zusammengearbeitet hatte, schicken sich die Reds an, zu alter Stärke zurückzufinden. Auf Platz sieben in der ersten Saison folgt Platz zwei. Lange Zeit scheint es sogar, als könne Liverpool tatsächlich die erste Meisterschaft seit 1988 holen. Und Allen ist mittendrin im Märchen. Sorgt im Dreiermittelfeld neben Legende Steve Gerrard unermüdlich dafür, dass Luis Suarez eben jene Bälle ins Zentrum gespielt bekommt, die ihm letztlich zu unfassbaren 52 Scorerpunkten in 31 Spielen verhelfen. Dann geht es dahin. 

Suarez verlässt den Klub Richtung Barcelona. Die angeschwemmten Millionen werden für Mittelklasse verpulvert. Liverpool verfällt in alte Muster und stürzt ab. Allen kann die Entwicklung nicht aufhalten. Er ist immer häufiger verletzt. Und ohnehin nicht der Typ, der den Karren allein aus dem Dreck zieht. Keiner, der voran geht und die Truppe durch die Schlacht führt.

Schlagzeilen macht er bald nur noch abseits des Spielfelds. Auf seine Art. Während so mancher Kollege wegen kindischer Verfehlungen oder zwielichtigen Affären mit leichten Mädchen auf den Titelseiten der Boulevard-Blätter landet, schafft es Allen auf das Cover einer Fachzeitschrift:


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