Jakub Blaszczykowski über die schlimmste Zeit seines Lebens

»Ich kann auch auf einem Campingplatz sein.«

Nun sind Sie in Wolfsburg gelandet. Im vergangenen Jahr skandierten die BVB-Fans beim Aufeinandertreffen gegen Wolfsburg minutenlang Ihren Namen. Ein verspäteter Abschied?

Das war ein sehr schöner Moment. Ein Zeichen dafür, dass man im hektischen Fußball nicht so schnell vergessen wird. Auch die Wolfsburger haben es akzeptiert, dass mich die gegnerischen Fans gegrüßt haben. Ich kann nur Danke an alle Fans sagen.


Als wir Nicklas Bendtner vor anderthalb Jahren in Wolfsburg trafen, sagte er: ›Hier gibt es nichts außer dem Bahnhof und dem Stadion.‹ Haben Sie schon etwas anderes entdeckt?

Ich bin sehr glücklich hier, denn ich brauche nicht viel. Meine Familie, mein Zuhause, Spielplätze für die Kinder, Fußball für mich. Wenn ich in den Urlaub fahre, muss es nicht luxuriös sein. Ich kann auch auf einem Campingplatz sein. Letztes Mal waren wir etwa in Ost-Polen, kurz vor der ukrainischen Grenze. Das war wunderschön für mich, denn meine Familie und viele gute Freunde waren dabei.


Hat Sie das Luxusleben eines Fußballprofis nie gereizt?

Darum ging es nie. Ich erinnere mich noch an meine Zeit in Krakau. In den zwei Jahren war ich maximal zweimal in der Stadt auf einer Party. Als ich später mit meiner Frau dort war, dachte ich: ›Was für eine schöne Stadt!‹ Damals aber war ich so fokussiert auf Fußball, dass ich die meiste Zeit entweder trainierte oder regenerierte.


Was haben Sie abends gemacht?

Gepuzzelt. Das mache ich heute noch. Einerseits ist es anregend. Dann ist da wieder der Konkurrenzkampf. Sogar wenn ich alleine puzzele, geht es immer darum meine eigenen Bestzeiten zu überbieten.


Wir haben gelesen, dass Sie auch gerne schlafen.

(Lacht.) Ich schlafe nicht sonderlich schnell ein, aber wenn ich schlafe, schlafe ich extrem fest.


Stimmt es, dass Sie beinahe Ihre Abi-Prüfung verschlafen hätten?

Ich hatte am Vorabend meinen Handywecker gestellt. Das Problem war: Wenn auf meinem Handy in der Sekunde des Weckerklingelns jemand anrief, wurde der Alarm deaktiviert. So war es an jenem Morgen. Ich hörte nicht das Handy-Vibrieren, und der Wecker ging nicht an. Glücklicherweise stand neben meinem Bett eine halbleere Wasserflasche mit Unterdruck, die zufällig 20 Minuten vor Prüfungsbeginn mit einem lauten Knall aufpoppte. Ich schreckte hoch und hab’s noch rechtzeitig in die Schule geschafft.


Jakub Blaszczykowski, Sie sind seit fast 15 Jahren Profi. Aktuell spielen Sie Ihre zehnte Saison in der Bundesliga. Wie hat sich der Fußball in dieser Zeit verändert?

Ich bin wirklich ein Dinosaurier. (Lacht.) Als ich 2007 zum BVB kam, waren noch Spieler wie Christian Wörns und Alexander Frei dabei. Eine andere Epoche. Im Laufe der vergangenen Jahre ist der Fußball noch mal schneller geworden. Die Trainer haben ausgefeilte Taktiken und Systeme. Die Technik schreitet immer weiter voran. Aber man muss auch bedenken, dass wir keine Maschinen sind. Wir gehen auch kaputt. Wir machen auch Fehler.


Wie bewerten Sie das?

Natürlich kann man diesen Traum vom perfekten Spiel skeptisch sehen. Diesen Wunsch nach Ausschalten des Zufalls und des Glücks.


Was ist denn Glück?

Malaga.


Jetzt sprechen Sie doch über ein Spiel. War es denn kein Glück? Nicht eher Wille?

Natürlich brauchst du Willen, um diese Situation vor dem 3:2 herbeizuführen. Aber was passiert, wenn der Linienrichter auf Abseits entscheidet? Es war ein wichtiger Sieg, aber man muss auch diesen Erfolg mit Demut genießen.