Jakub Blaszczykowski über die schlimmste Zeit seines Lebens

»Wenn ich Profi werde, machst du einen Superurlaub!«

Wie wichtig ist Ihre Oma für Sie?

Sie hält die Familie zusammen. Wie die Wurzeln einen Baum. Sie hat so viel mitgemacht, sie wurde im Krieg geboren, hat alles überlebt. Von ihr habe ich Demut gelernt. Außerdem ist sie fußball­verrückt und meine schärfste Kritikerin. Sie schaut jedes Spiel.


Sie setzt sich am Samstag in Truskolasy vor den Fernseher und schaut sich VfL Wolfsburg gegen TSG Hoffenheim an?

Alles! Bundesliga, Ekstraklasa, Premier League. Manchmal komme ich nach Hause und sie hockt vor dem Fernseher, weil Swansea gegen Burnley spielt. Als wir 1:1 gegen Mainz gespielt haben, rief sie direkt an und sagte: »Das war nicht gut!« Neulich besuchte ich sie am Tag nach einem Länderspiel. Sie hatte die Partie natürlich am Vorabend live im Fernsehen geschaut. Nun guckte sie sich die Wiederholung mit einer Hingabe an, als wäre es live. Ich sagte: »Oma, du kennst das alles. Es kommt nichts Neues!« Sie lachte nur und sagte: »Doch gleich, siehst du, gleich fällt das Tor!«


Mit 16 Jahren standen Sie beim polnischen Serienmeister Gornik Zabrze unter Vertrag. Danach spielten Sie zwei Jahre für KS Czestochowa in der vierten polnischen Liga. Warum?

Zabrze war keine einfache Zeit.


Ältere Spieler sollen den jüngeren Geld geklaut haben. Einem Jungen wurde mal ins Gesicht geschlagen, weil er sie beleidigte.

(Überlegt.) Ja, so war das. Ich ging deshalb zurück nach Czestochowa, in die Nähe unseres Dorfes. Die Mannschaft spielte zu dieser Zeit aber nur noch in der vierten Liga. Viele fragten sich damals, warum ich das tue.


Auch bei Wisla Krakau waren Ihre Mitspieler irritiert, als Sie mit 19 dorthin wechselten.

Am Anfang war ich verschüchtert. Das Team bestand aus fünf, sechs Nationalspielern und war amtierender Meister. Anfangs wusste ich nicht mal, wie ich meine Mitspieler ansprechen soll. Herr Sobolewski? Herr Frankowski? Aber schon nach ein, zwei Tagen war die Aufregung weg. Mauro Cantoro (Mitspieler bei Wisla, d. Red.) sagte nach einem Training zum Trainer: ›Wo haben wir denn den Jungen her? Das kann nicht sein, dass der in der vierten Liga gespielt hat.‹

Was haben Sie von Ihrem ersten Gehalt gekauft?

Lange bevor ich mit Fußball Geld verdiente, versprach ich meiner Oma: ›Wenn ich Profi werde, machst du einen Superurlaub!‹ Als es später so kam, schenkte ich ihr eine Reise nach Mallorca. Aber sie ist nicht hingeflogen. Sie hat gesagt, sie sei zu alt. Was aber nicht stimmt: Sie ist bis heute total fit.

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