Jakub Blaszczykowski über die schlimmste Zeit seines Lebens

»Es muss weitergehen«

Als Jakub Blaszczykowski zehn Jahre alt ist, muss er mit ansehen, wie sein Vater die Mutter ersticht. Lange lähmt ihn die Erinnerung. Heute gibt sie ihm Gelassenheit im hektischen Profibetrieb.

Mario Wezel
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Jakub Blaszczykowski, vor zehn Jahren haben Sie Ihr erstes Bundesligaspiel gemacht. Was fehlte Ihnen damals, was Sie heute haben?

Demut. Früher dachte ich, als Fußballprofi hast du es geschafft. Da bist du eine große Nummer. Aber wer ist man denn?


In der Öffentlichkeit werden Fußballprofis ›Stars‹ genannt.

Ich mag dieses Wort nicht. Ich bin ein normaler Mensch und werde nie verstehen, warum bestimmte Personen als »Stars« betitelt werden.

Weil sie im Fernsehen zu sehen sind oder Millionen Likes auf Facebook haben?

Es ist doch egal, was du machst – es ist wichtig, wie du bist.


Hatten Sie nie Vorbilder?

Das ist etwas anderes. Ich habe Leute für ihr Können oder ihren Charakter bewundert. Papst Johannes Paul II. etwa. Er hat gezeigt, dass es im Leben auf die menschlichen Werte ankommt.


Und im Fußball?

Ich fand Zinédine Zidane oder den brasilianischen Ronaldo gut. Mein größtes fußballerisches Vorbild war aber mein Onkel Jurek (Spitzname von Jerzy Brzeczek, d. Red.), der Bruder meiner Mutter. Er war Kapitän der polnischen Nationalelf, die 1992 Silber bei den Olympischen Spielen geholt hat.


Sie waren damals sechs Jahre alt. Haben Sie das Turnier bewusst verfolgt?

Die zwei Wochen im Sommer 1992 waren prägend für mich und eine ganze Generation von jungen Polen. Schließlich war unsere Nationalelf in den Neunzigern bei keiner EM oder WM dabei. Von Olympia in Barcelona habe ich alles noch vor Augen, das 3:0 gegen Italien in der Vorrunde, das 6:1 gegen Australien im Halbfinale. Dann das Finale gegen Spanien, 95 000 Zuschauer im Camp Nou. Erst in der 92. Minute traf Kiko zum 3:2. Weil die Spiele oft am späten Abend stattfanden, nahmen wir sie auf und schauten sie uns in den Tagen und Wochen darauf immer und immer wieder an.


War Ihr Onkel auch abseits des Fuß­ballplatzes ein Vorbild?

Absolut. Er besaß eine Weitsicht, die ich noch nicht hatte. Als diese Sache geschah ... (Zögert.) Wissen Sie, Fußball war eine Art Therapie für mich. Jurek
brachte mich zurück zum Fußball, und ich fand dadurch zurück ins Leben.

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