Jadon Sancho über Messi, FIFA und Führungsspieler

»Meine Passwertung ist ein Witz!«

Jadon Sancho zählt zu den aufregendsten Spielern, die Europa derzeit zu bieten hat. Bei der Weltpremiere von FIFA 20 haben wir mit ihm über Spielerwertungen und seine Zeit auf den Straßen von London gesprochen. 

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Jadon Sancho, als Sie am vergangenen Dienstag in der Champions League mit Borussia Dortmund gegen den FC Barcelona gespielt haben, wurde in der 59. Minute Lionel Messi eingewechselt. Wie fühlt sich das an, plötzlich gegen jemanden auf dem Platz zu stehen, den man nur von der Playstation kennt?

Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, eine große Ehre. Tatsächlich kannte ich Messi bislang nur von FIFA. Und dann stehst du plötzlich neben ihm auf dem Platz, unglaublich!

Lionel Messi hat einmal gesagt, dass der Messi auf der Konsole noch viel besser ist als der Messi auf dem Platz. Trifft das auch auf Jadon Sancho zu?

Ich würde sagen, bei mir ist es umgekehrt: Ich bin auf dem Platz besser als auf der Playstation. Meine Passwertung ist ein Witz! (Lacht.)

Auch bei Twitter haben Sie sich über die Bewertung ihrer Passfertigkeiten im neuen FIFA beschwert. EA Sports gibt Ihnen 77 von 100 möglichen Punkten. Wie würden Sie sich selbst einschätzen?

Ich denke, eine 86 hätte ich schon verdient. Ich habe jetzt fünf Vorlagen in fünf Spielen gegeben. In der letzten Saison hatte ich sogar die meisten Vorlagen der ganzen Liga. Es gibt Spieler, die gerade einmal auf eine Vorlage kommen und eine bessere Wertung haben!

Sie wirken sehr selbstbewusst. Rührt diese Eigenschaft auch daher, dass Sie sich als Kind auf der Straße häufig gegen ältere Spieler durchsetzen mussten?

Auf jeden Fall. Ich habe beim Kicken auf der Straße viel gelernt. 

Zum Beispiel?

Alles! Ballkontrolle, Kreativität, Handlungsschnelligkeit…

In Deutschland gibt es gerade eine große Diskussion um den Straßenfußball. Viele vermissen eine sogenannte »Bolzplatzmentalität«.

Diese Diskussion gibt es nicht nur in Deutschland, sondern auch hier in England. Es ist wichtig, dass die Kids rausgehen und kicken. 

Wie ist es für Sie, zurück in Ihre Heimatstadt zu kommen? Was bedeutet Heimat für Sie?

Es bedeutet mir sehr viel, ich bin hier aufgewachsen. Ich habe immer noch viele Freunde und meine Familie hier. Es ist immer wieder schön, sie wiederzusehen.

Wie schwer fiel es Ihnen, England mit 17 Jahren zu verlassen und nach Deutschland zu wechseln?

Es war kein einfacher Schritt. Aber mir war klar: Wenn ich etwas erreichen will, muss ich bereit sein, auch unbequeme Wege zu gehen. Auch in London bin ich bereits früh von zuhause ausgezogen und habe im Internat von Watford gelebt. 

London ist eine Fußballstadt. Lässt sich die Begeisterung für den Sport mit der im Ruhrgebiet vergleichen?

Ich denke schon. Es ist unglaublich, wie unsere Fans für den Verein leben, wie sie uns jedes Mal im Stadion nach vorne peitschen.

In der Dokumentation »Inside Borussia Dortmund« gibt es eine Szene, in der Sie sich einen Spaß daraus machen, eine Rede in der Kabine zu halten, bei der Ihnen keiner zuhört. Welche Rolle haben Sie in der Mannschaft? Sind Sie schon ein Führungsspieler?

Wir haben viele erfahrene Spieler wie Marco Reus, Mats Hummels, Axel Witsel oder Thomas Delaney, die natürlich unsere Führungsspieler sind. Aber auch ich versuche, der Mannschaft zu helfen und mit meinen Leistungen auf dem Platz voranzugehen.